Jun 15

The Way back–der lange Weg von Sibirien nach Indien

Die Geschichte ist ganz simpel: In einem sibirischen Arbeitslager treffen der Pole Junusz, der Russ Valka (Colin Farell), der Amerikaner Smith (Ed Harris) aufeinander und entscheiden zusammen mit anderen Häftlingen sich auf den langen Weg nach Süden zu machen, sie wollen flüchten. Allen ist klar, dass es eine harte Reise wird. Bei dem schlimmsten Schneesturm flohen sie aus dem Arbeitslager, damit keine Fußspuren zurückbleiben. Ab dann wandern sie ewig durch Wälder, scheinbar ohne Orientierung, die Vorräte werden immer kleiner, doch sie wollen weiter – so weit die Füße tragen. Schließlich macht sich nur noch einer am Ende auf den Weg, die anderen längst zu schwach ohne Aussicht auf den ersehnten See im Süden, um herauszufinden, wie nah sie diesem sind. Und es war nicht mehr weit. Die Männer machten sich auf den letzten Weg der ersten Etappe und erreichen den Baikalsee, wo der Zufall es so will, dass sie einen Elch der sich dort aus dem Schlamm nicht mehr befreien kann finden – endlich etwas zu essen. Gleichzeitig treffen sie auf ein kleines Mädchen, das auch auf der Flucht zu seien scheint und nehmen sie kurzerhand in ihre Gruppe auf.

Bald geht es schon weiter den Baikalsee herunter bis zur Grenze. Wenig später befinden sie sich schon auf dem erschwerlichen Marsch durch die Wüste. Mit nicht genug Wasser kämpfen sie, Kilometer um Kilometer… Werden Sie Indien zu Fuß dennoch erreichen?

20th Century Fox und National Geographic erzählen einen eindrucksvollen Film über eine Hand voll Flüchtlinge, die das Unmögliche möglich machen – ganz im Stil von “So weit die Füße tragen”. Der Film verzichtet auf großartige Nebenhandlungsstränge, im Vordergrund steht die Reise der Flüchtlinge und was sie erleben, was in ihnen vorgeht. Interessant auch, was das Mädchen (Saorise Ronan, “Wer ist Hanna”) in der Gruppe erreicht, die Männer, die nicht sich eigentlich nicht viel über sich unterhielten mussten auf einmal Rede und Antwort stehen. Plötzlich erfährt jeder was über den anderen.

Insgesamt ein sehr bewegender Film mit guten dramaturgischen Elementen und guter Besetzung, sowie hervorragenden Landschaftsaufnahmen, der jedoch Geschmacksache ist.

 

Gesamtwertung
Story Szenerie Spannung Charaktere Anspruch Note
++ +++ + +++ + 2,0

Mai 24

Kein Blockbuster, aber…: Der Mandant

“Der  Mandant” erzählt die Geschichte eines sehr erfolgreichen Anwalts in Amerika und spielt in der Gegenwart. Mickey Haller (Matthew McConaughey) ist sehr gefragt. Er gilt als die Ikone im Anwaltsbereich. Wer die bestmögliche Verteidigung will, muss diese zwar bezahlen, aber bekommt sie dann auch. Haller kennt sich aus wie kein anderer. Er weiß genau, welche Leute er fragen muss, wo er Zeugen am schnellsten herbekommt und welche Schlupflöcher es im System gibt. Er ist nicht nur im Vertreten sehr geschickt, sondern hat auch eine sehr gute Menschenkenntnis. Die einzige Befürchtung seinerseits: Die Unschuld eines Mandaten einmal nicht erkennen…

Die Geschichte startet mitten im Leben des Mickey Haller. Er lässt sich mit seiner Limosine von Gefängnis zu Gefängnis, von Court zu Court fahren und gerät schließlich an einen sehr besonderen Fall, den er erst nicht als solchen erkennt. Ryan Phillippe (Louis Roulet) soll in eine Falle getappt sein: In einer Bar steckte ihm eine Prostituierte einen Zettel mit ihrer Adresse zu. Doch als er die Wohnung betrat wird er niedergeschlagen und als er aufwacht ist alles schon zu spät: Die Prostituierte vergewaltigt und mit Messerstichen übersäht, die Polizei nimmt ihn fest – so seine Version.

Doch Haller merkt schnell, dass irgendetwas nicht stimmt. Plötzlich tauchen Beweise auf, die ihn nicht mehr daran zweifeln lassen, dass sein Mandant es getan hat. Doch in diesem Moment ist es schon zu spät. Er kann von dem Fall nicht mehr zurücktreten, dem Mandanten ist es gelungen Haller in eine Zwickmühle zu locken. Wird es Haller gelingen seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und seinem Mandanten das Handwerk zu legen?

Die Geschichte des Anwalts Haller fesselt einen besser als man denkt. Die Charaktere des erfolgreichen Anwalts wirkt Matthew McConaughey wie auf den Leib geschneidert. Überall, wo er auftritt, glänzt er durch elegantes Auftreten, seine zurückgegeelten Haare und seine Arbeit macht sich von Selbst. Seinen Papierkram macht er bequem im Auto, groß zu Hause arbeiten muss er nicht. Ein Leben auf das man neidisch sein kann. Man ist einfach nur gespannt, was als nächstes passiert. Die Szenerie erinnert stellenweise ein bisschen an Grand Theft Auto, aber das macht den Film aus. Der Krimi wirkt so nicht langweilig und zieht einen in seinen Bann. Insgesamt vermisst man nur wenig, wenn man auf Crime steht. Der charmante Umgang, mit dem Haller alle um den Finger wickelt, und seine Geschäftspraktiken lassen einen stellenweise schmunzeln. Ein durchweg gelungener amerikanischer Krimi, der allein wegen der sehr gut ausgesuchten Charaktere sehenswert ist.

Story Charaktere Action Spannung Anspruch Note
++ +++ + ++ +++ 1,3

Mai 16

Eiskalte Agenten: Wer ist Hanna?

Ein Hirsch läuft durch das schneebedeckte Finnland. Er wird von einem Pfeil getroffen, den ein junges Mädchen abgeschossen hat. Aber der Hirsch ist nur verwundet und läuft weg. Das Mädchen verfolgt ihn. Schließlich bricht der Hirsch zusammen und das Mädchen gibt ihm mit einer Pistole den Gnadenschuss, nachdem sie klar gemacht hat, dass sie sein Herz verfehlt hätte.

Dieses Mädchen scheint besonders zu sein. Sie lebt mit ihrem Vater allein in der finnischen Wildnis und das wichtigste was er ihr beibringt ist zu Kämpfen. Fernab von jeder Zivilisation und Technologie bildet der Vater Erik Heller (Eric Bana), ein ehemaliger CIA Agent seine Tochter Hanna (Saoirse Ronan) zu einer Killerin aus. Und dies scheint gut zu funktionieren, sie spricht mehr als 5 verschiedene Sprachen fließend, ist perfekt Treffsicher mit der Pistole und ihm im Nahkampf trotz ihrer Jugend fast schon gewachsen.

Nach einem Trainingskampf zwischen den beiden meint Hanna, dass sie bereit sei und in der Nacht gräbt Erik ein Funkgerät aus und sagt ihr, wenn sie meint sie wäre bereit, könnte sie ihre Position preisgeben, dann gäbe es aber kein zurück mehr. Am nächsten Tag betätigt Hanna den Schalter und ein Signal erreicht in der CIA Marissa Wiegler (Cate Blanchet), die daraufhin den Auftrag erteilt den Desserteur Erik zu holen…

Spannung von der ersten bis zur letzten Minute. Die Handlung ist zwar Eindimensional und läuft nach dem für diese art Filme typischen Schema ab, aber es werden keine unnötigen Pausen gemacht. Besonders gut gelungen ist in vielen Szenen die Kameraführung und der zur Handlung passende Soundtrack von den Chemical Brothers. Die Charaktere dagegen sind ziemlich simpel und klar in gut und böse zu unterteilen.

Was die Action betrifft erfüllt der Film die Erwartungen, wobei weniger explodiert und auch wenig geschossen wird, aber viele Nahkampfszenen und viele Sprints, wodurch eine gewisse Hektik erzeugt wird. Allerdings sind einige Szenen schon etwas sehr unrealistisch.

Fazit: Die 90 min waren Spannend und nicht verschwendet, aber es gibt bessere Filme dieser Art.

Gesamtwertung
Story Action Spannung Charaktere Anspruch Note
++ ++ ++ + ~ 2,6

Mai 10

Einblicke – Willkommen in Cedar Rapids

Wir befinden uns in Amerika bei einen Versicherungsunternehmen, BrownStar Insurance . Der dort beschäftigte Vertreter Tim Lippe (Ed Helms) ist nicht gerade der Star der Firma, im Gegensatz hierzu macht ein Arbeitskollege Fernsehspots für die Firma und räumt einen Award nach dem anderen für die Versicherungsfirma ab. Doch plötzlich stirbt sein Vorbild und damit der Erfolgsgarant des Unternehmens. Er wird von seinem Boss gebeten auf den nächsten Kongress zu fahren, auf dem der 2DiamondAward verliehen wird. Auf diesen Preis sei die Versicherung in höchstem Maße angewiesen. Aufgeregt erzählt Tim, der noch nie zuvor aus seiner Kleinstadt rausgekommen ist, geschweige denn in einem Flugzeug gesessen ist, seiner Geliebten – und damaligen Lehrerin – Macey (Sigourney Weaver) von seiner großen Chance.

Und dann das erste Mal in einer großen Stadt. Der schüchterne Tim checkt in einem großen Hotel ein und weiß erst gar nicht wie ihm geschieht. Beeindruckt von dem ganzen Trubel lernt er ein paar nette Kollegen kennen und macht auch noch andere nette Bekanntschaften auf der Straße, darunter eine Frau, der er ein Buttertrüffel anbietet, obwohl diese eigentlich etwas anderes von ihm wollte – man bemerkt schnell: die Frau ist eine Prostituierte und Tim Lippe hat keine Ahnung von Leben in der Großstadt.

Doch der Kongress hält noch andere Überraschungen für ihn bereit. Obwohl er konsequenter Nicht-Trinker ist, wird er von seinen Kollegen in einer Bar zu einem Drink überredet. Er beginnt langsam aufzutauen. Das erste mal richtig betrunken schwimmt er nachts mit seiner attraktiven Kollegin im Hotel-Pool und wird von dem Presidenten des Kongresses dabei erwischt. Doch damit nicht genug. Nach einer wilden Liebesnacht mit ein und derselben erkennt er, dass er Macey damit sehr weh getan haben müsste und setzt einen verzweifelten Anruf ab… Seine schöngedachte Beziehung mit seiner viel älteren Lehrerin entpuppt sich als reine Sex-Beziehung, sein ganzes Leben bricht über Tim Lippe zusammen. Noch zusätzlich bekommt er Druck von seinem Boss, der über sein wildes Treiben auf dem Kongress gar nicht glücklich ist. Hat Tim noch eine Chance auf den Award und kann seine Firma vor dem Ruin retten und bekommt er sein Leben wieder in Griff?

Der FIlm handelt offensichtlich von der Selbstfindung eines verklemmten Versicherungsvertreters. Die Charaktere sind einfach gestrickt, aber sehr verschieden voneinander. Seine Zimmergenossen auf dem Kongress könnten verschiedener nicht sein. Die Dialoge sind teils förmlich gespickt mit sexuellen Anspielungen, was den Film anfangs etwas billig darstehen lässt. Letztendlich fühlt man sich jedoch, weil eben so genau die Dinge auf den Punkt getroffen werden, genau dadurch sehr erheitert. Es ist ganz interessant zu sehen, wie der kleine Mann aus der Kleinstadt plötzlich über die Strenge schlägt und erinnert an den ersten eigenen Absturz oder die erste Dummheit, die man in seinem Leben gemacht hat. Ed Helms, der damals mit Hangover seinen Durchbruch hatte, spielt seine Rolle als verklemmter naiver Versicherungsvertreter sehr gut. Die Handlung ist insgesamt eher flach, einen Film mit sonderlich viel Action kann man hier auch nicht sehen. Stattdessen plätschtert die Geschichte gerade so in den knapp 90 Minuten an einem vorbei.

Fazit: Ein ziemlich durchgeknallter Streifen, der nur an der Oberfläche bleibt und bei manchen genau die richtige Humorebene trifft.

Gesamtwertung
Story Action Humor Charaktere Anspruch Note
++~ 0 ++ +++ + 2,2

Trailer: Cedar Rapids

Apr 27

Zurückversetzt: Mein bester Feind

Wien, in den 30er Jahren. Die Film erzählt die Geschichte zweier Freunde zur Nazizeit. Viktor Kaufmann (Moritz Bleibtreu), dessen jüdische Familie einen erfolgreichen Kunsthandel betreibt, ist bestens mit Rudi Smekal (Georg Friedrich) befreundet, dessen Mutter als Putzfrau bei den Kaufmanns angestellt war. Doch Rudi verschwindet plötzlich und lässt Jahre später erst wieder etwas von sich hören. Er betritt den Kunsthandel und begrüßt seinen immer noch besten Freund Viktor, der ihm bei einem nächtlichen geselligen Abend in einer Kneipe von einem ganz besonderen Stück aus seiner Kunstsammlung erzählt: Ein Michelangelo, der besonders wertvoll ist, sodass selbst die Kaufmanns geheimhalten, dass sie ihn besitzen.

Was die Kaufmanns anschließend erfahren müssen: Viktors Freund Rudi ist unter die Nazis gegangen, um sein mangelndes Selbstvertrauen zu kompensieren und auch mal auf der Seite der Gewinner zu stehen. Seine Vorgesetzten sind sehr an der besonders wertvollen Zeichnung interessiert, Rudi verspricht sie ihnen zu beschaffen – hingegen will er die Familie aber vor der Deportation retten. Doch seine Vorgesetzten spielen ein übles Spiel mit ihm, sie krallen sich das wertvolle Stück und schicken die Familie vor seinen Augen in die Konzentrationslager, er konnte nichts tun. Das Gemälde spielt hierbei für die Nazis eine sehr große außenpolitische Rolle: Zur Festigung des Bündnisses mit dem Duce wollen sie ihm das einst in Italien gestohlene Gemälde übergeben.

Doch die Kaufmanns waren auch nicht untätig: Vor den Augen der höchsten Regierungsmitglieder entpuppt sich die Zeichnung als gute Kopie. Die Kaufmanns müssen also damals das Original beiseite geschafft haben, doch bloß wohin und was ist aus den Kaufmanns geworden?… Wird das Gemälde je wieder auftauchen?

Mit einer schönen Rahmengeschichte gewährt der Regisseur Wolfgang Murnberger einen Einblick in die damalige Zeit. Besonders pikant sind vor allem die politischen Hintergründe, die sich nur um die besonders wertvolle Zeichnung drehen. Die Charakere sind ganz nett erdacht, fügen sich gut in die damalige Zeit ein. Man kann sich – auch als geschichtlich nicht versierter Zuschauer – gut in die Rollen einfinden und fühlt sich für ca 100 Minuten in eine andere Zeit versetzt. Der Film verfolgt insgesamt einen klar erkennbaren roten Faden, manche Dialoge und Szenen wird man bewusst zum Schmunzeln gebracht. Insgesamt ist der Film nicht zu ernst, womit er durchaus auch für die breite Masse der Kinobesucher kompatibel ist.

Fazit: Ein insgesamt sehr zufriedenstellender Film, der sein Geld wert ist. Allerdings wird man als geschichtlich versicherter Mensch eventuell nicht ganz auf seine Kosten kommen, der Film bleibt, was dies angeht, nämlich nur an der Oberfläche.

Gesamtwertung
Story Action Spannung Charaktere Anspruch Note
++ 0 + ++ ++ 2,0

Apr 27

Französischer Humor: Le Mac – Doppelt knallt’s besser

Gilbert Chapelle (José Garcia) ist ein ziemlich harmloser Bankangestellter, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann. In seinem Schreibtisch sind die Büroklammern streng säuberlich nach Farbe sortiert und das verrückteste was er je getan hat war alleine laut im Fahrstuhl “Voyage Voyage” zu singen. Bis er eines Tages in der Tiefgarage seiner Bank in den Streit eines Pärchens verwickelt wird und den Mann ausversehen erschießt. Auf der Polizeiwache scheinen die Polizisten ihn dann zuerst zu verwechseln. Denn was Gilbert nicht weiß ist: er hat einen Zwillingsbruder – Ace! (ebenfalls José Garcia) Dieser ist quasi das gegenteil von Gilbert, knall hart, draufgängerisch und Zuhälter in einem Stripclub. Zusätzlich war Ace auch noch ein verdeckter Polizeispitzel in sachen Drogengeschäfte, bis er sich gekonnt aus der Affäre gezogen hat.

Diese Position soll Gilbert jetzt einnehmen und seinen Bruder ersetzen. Was für ihn eine ziemlich große Herausforderung darstellt. Obwohl er von der Polizei ein umfangreiches Coaching und Training erhält, ist er innerlich schließlich ein guter Mensch und kein hochrangiges Mafiamitglied. Doch die Polizei droht ihm mit Gefängnis, da er ja ausversehen jmd erschossen hat, und so nimmt er die Rolle an. Damit beginnt das weitaus größte Abenteuer seines Lebens, dass einige Überraschungen bereithält.

Der Film ist ziemlich einfach aufgebaut, die Charaktere sind alle ziemlich oberflächlich und einseitig gehalten. Es wird versucht möglichst viele Klischees zu bedienen. Dennoch wird mit einigen Nebenhandlungssträngen immer wieder sehr gute Spannung aufgebaut, und dem Zuschauer wird eigentlich nie langweilig. José Garcia spielt seine Rolle sehr überzeugend, die anderen Rollen sind nicht wirklich anspruchsvoll. Die meisten Witze sind ziemlich alt und selten originell, aber an den richtigen Stellen eingebaut, so dass der Humor nicht zu kurz kommt, und immer wieder ein Lacher da ist.

Obwohl der Film eigentlich zum Genre Action gehört, fehlen hier die wirklichen harten Szenen und entsprechende Spezialeffekte. Es wird hier und da mal ein bisschen geschossen, ohne dass dies einen Zuschauer vom Hocker reisen würde. Damit der typische männliche Action-Film Zuschauer trotzdem am Ball bleibt, wird dies ausgeglichen durch einige Szenen mit nur wenig oder gar nicht bekleideten Frauen.

Fazit: Sehr leichtes Popkornkino, das durchaus 90min leicht unterhält, aber mehr auch nicht.

Gesamtwertung
Story Action Spannung Charaktere Anspruch Note
~ + + ~ ~~ 3,8

Apr 12

Unrealistisch? Der Mann der über Autos sprang

In einer Gemeinschaftsproduktion von ARTE und dem Südwestfernsehen wird eine ganz besondere, aber seltsame Geschichte erzählt:

Wir befinden uns in Berlin Mitte, vor der Psychatrischen Anstalt, sehen einen Rucksack über einen hohen Zaun fliegen. Kurz darauf erklimmt ein Mann im Anzug den Zaun, springt herunter zu seinem Rucksack, schnappt diesen und macht sich auf den Weg… Die Ärztin Juliane, genannt Ju, fährt gemeinsam mit ihrem Freund durch die Straßen der Berliner Innenstadt, plötzlich springt ihr ein Mann vors Auto, es ist Julian, der Mann im Anzug. Er scheint unverletzt und es eilig zu haben. Untersuchen lassen oder ins nahe gelegene Krankenhaus bringen lassen, will er sich nicht, denn “er muss weiter”.

Er muss zu Fuß nach Tuttlingen, nicht per Anhalter. Er will sich nicht davon abbringen oder ablenken lassen, den langen Weg zu Fuß zurückzulegen. Er müsse dem Vater eines Freundes nach einem Herzinfarkt beistehen und das tue er alleine dadurch, dass er diesen Weg zu Fuß zurücklege.

Auf seiner kilometerlangen Reise trifft er so allerhand Menschen. Dass er hingegen Ju insgesamt zweimal wieder trifft, die sich eine kurze Auszeit von ihrer Arztkarriere auf der Krebststation in Berlin genehmigte, um mit ihrem Freund in ein Ferienhaus zu fahren, sieht er dabei keinesfalls als Zufall.

Bei jedem Treffen bemerkt sie, wie unglücklich sie mit ihrer aktuellen Lebenssituation ist und beneidet den jungen Wanderer, wie er einfach so ohne etwas zurückzulassen mit einem festen Ziel vor Augen loswandern kann – fernab von allen Sorgen. Mit dem Wunsch nach einem neuen Leben schließt sie sich dem Jungen an, sie läuft einfach so mit, lässt alles zurück. Ebenso geht es einer anderen Frau, die kurzerhand ihre Familie zurücklässt, um eben demselben zu folgen.

Zeitgleich fahndet ein Kommisar aus Berlin in seinem alten Mercedes nach dem Jungen. Er muss ihn unbedingt finden, fährt Tag und Nacht die Straßen ab, um ihn zu finden.

Was das ganze mit über Autos springen zu tun hat und wie die Geschichte ausgeht, das müsst ihr selbst herausfinden…

Der Film beeindruckt durch großangelegte ruhige kurze Filmausschnitte, die die Natur zeigen. Er verzichtet komplett auf Spezialeffekte oder Action-Szenen und verfolgt einen klar erkennbaren roten Faden: Julian auf seiner Reise zu verfolgen. Die Charaktere sind gut herausgearbeitet, es wird auf unnötige Nebenplots gänzlich verzichtet. Schlussendlich verfolgt der Film eine einfache klare Linie, was ihn an manchen Stellen etwas langwierig macht.

Die Story des Films ist ebenfalls sehr einfach gestrickt. Ein Patient aus Psychatrie macht sich auf den Weg nach Tuttlingen, um einem nahestehenden Menschen nach einem Herzinfarkt beizustehen. Einzig die Hauptgeschichte – das mit dem über Autos springen, um das es eigentlich gehen sollte – wirkt etwas deplatziert. Unglaubwürdig macht das Ganze auch, dass Julian es letztendlich tatsächlich schafft, aus dem Stand über ein Auto mit 100km/h zu springen.

Fazit: Insgesamt ein gelungener Film für das anspruchsvolle Publikum, das gerne über Filme nachdenkt, sie reflektiert und deutet. Man fühlt sich im Film sehr mit dem Film verbunden, es kommt einem so vor, als würde man teils selbst mitlaufen. An manchen Stellen jedoch hat man als Zuschauer kurze Durchhänger, weil man das Gefühl nicht loswird, dass es nicht recht voran geht und dass es nicht wirklich zum Ende kommt. Teils wird man aus seinen (nicht nur) abschweifenden Gedanken durch gezielte humorvolle Aspekte des jungen Reisenden herausgerissen und in den Film wieder miteingbunden.

Insgesamt ist er aber etwas trist und teils zu geradlinig (langweilig)

Gesamtwertung
Story Action Spannung Charaktere Anspruch Note
+~ 0 + +++ ++ 2-3 geschmacksache

Apr 07

Kampf bis zum Limit: The Fighter

Der Aufstieg von Micky Ward (Mark Wahlberg), einem US-Amerikanischen Profiboxer im Weltergeweicht.

Zu beginn sehen wir Micky als Straßenarbeiter, sowie seinen älteren Halbbruder Dicky Eklund (Christian Bale), über den anscheinend eine Dokumentation gedreht wird, da er der Stolz von Lowell ist, die Heimatstadt der beiden. Dicky Eklund war früher ebenfalls Boxer und hat in einem historischen Kampf einen Knockout gegen den berühmten Boxer Sugar Ray gelandet. Nun wird überall über sein Comeback spekuliert und er ist der aktuelle Trainer von Micky. Doch es wird recht schnell klar, dass seine höchste Priorität eher dem Crackrauchen gilt, als seiner Karriere oder Familie.

Micky, der anscheinend in letzter Zeit eher Kämpfe verloren hat, hat einen weiteren Kampf direkt vor sich. Kurz vorher lernt er in einer Bar, die bezaubernde Charlene (Amy Adams) kennen, die sich auf ein Date mit ihm einlässt. Beim folgenden Kampf, ist allerdings Mickys Gegner krank, und sein Ersatz ist um einiges schwerer als Micky. Mickys Mutter Alice (Melissa Leo), die seine Managerin ist, und sein Bruder überreden ihn aber doch zu kämpfen, was zu einer schmerzhaften Niederlage führt. Micky will seine Karriere an den Nagel hängen. Schaffen es seine neue Freundin, sowie seine Famile, ihn doch noch zum großen boxer zu machen?

Die Geschichte vom Weg zum ersten Titelkampf Micky Wards wird sehr gut erzählt, sowie sehr spannend und dramtisch inszeniert. Die schauspielerischen Leistungen sind überdurchschnittlich und die 2 Oskars für Christian Bale und Melissa Leo hochverdient. Besonders die Konflikte von Micky: Freundin – Familie – Boxen, sowie von Dicky: Familie – Drogen, werden sehr gut herausgearbeitet.

Der Zuschauer ist eigentlich von Anfang an gefesselt und verfolgt die Ereignisse, die auch nie langweilig werden. Immer wieder wird Micky vor eine Wahl gestellt und es stellt sich die Frage, ob seine Entscheidungen richtig waren. Trotzdem ist das Ende natürlich absehbar, schließlich ist die Geschichte ja nicht erfunden.

Ebenfalls positiv wird das Thema Drogen behandelt, leicht sarkastisch, jedoch ohne an irgendeiner Stelle zu übertreiben.

Fazit: Eine sehr gelungene Biographie, die es sich auf jeden Fall lohnt anzuschauen.

Gesamtwertung
Story Action Spannung Charaktere Anspruch Note
++ + +++ +++ ++ 1,8

Apr 02

Abweichungen unzulässig! – Der Plan

Amerika, New York City: Ein aufstrebender Wahl-Kandidat David Norris (Matt Damon) macht sich auf dem Weg um seine Rede vor der Wahl zum Senator von NY zu halten. Wie aus dem Fernsehen für uns bekannt sieht man vor ihm großen Jubel, Plakate mit seinem Namen, treue Wähler, die sich beim Kopf an Kopf Rennen längst für David Norris ausgesprochen haben. Doch wenig später muss er eine Wahlschlappe einstecken: Die Presse tritt eine Schmutzkampagne los, die ihn schließlich die Wahl kostet.

Der Film beginnt auf der Toilette eines öffentlichen noblen Gebäudes, in dem David Norris seine Rede zu seiner Niederlage halten soll. Er will die Rede ein letztes Mal durchgehen und entscheidet sich für die Männertoilette. Nachdem er sich durch lautes Rufen davon vergewissert hatte, dass sich niemand dort befindet, läuft er zwischen den Waschbecken auf und ab, geht seine Rede missmutig Schritt für Schritt noch einmal durch. Ihm ist klar: Will er bei der nächsten Wahl nochmal antreten so darf er nicht in Vergessenheit geraten. Alles hängt von der entscheidenden Rede ab.

Doch dann traute er seinen Augen nicht: Es war doch jemand auf der Toilette, eine Frau, die schöne Tänzerin Elise, hatte sich anfangs nicht getraut sich zu melden und zeigt sich schließlich dann doch, als sie hörte, dass David anfing, Selbstgespräche zu führen. Es war ihr höchst unangenehm. David Norris hingegen war wie verzaubert von ihrem Auftreten und ihrem doch schnellen Abgang, unter anderem, weil er seine Rede halten musste und sie vom Sicherheitspersonal verfolgt wurde.

Nach diesem Gespräch hielt er die beste Rede, die er jemals hielt – inspiriert von Ihr, Elise.

Im Hintergrund seiner Reden und Ansprachen, die er im Rahmen seiner Wahl hielt, bemerkt man immer wieder einen dunkelhäutigen Mann, der sich ab und an mit anderen Männern mit Hüten besprach. Da schien etwas im Gange zu sein. Er bekam einen Auftrag, Norris sollte sich bis zu einem gewissen Zeitpunkt morgens mit Kaffee bekleckert haben. Doch es ging etwas schief. Der Mann war einen kurzen Moment nicht aufmerksam und verpasste Norris auf dem Weg zum Bus. Norris stieg in den Bus ein und wen traf er wieder,… Elise. Sie flirteten miteinander und sie schrieb ihm schließlich ihre Nummer auf.

Als Norris ins Büro kam traf ihn schließlich der Schlag. Irgendetwas war seltsam. Im Meeting selbst machte er eine atemberaubende Entdeckung – er blickte hinter einen Vorhang der Männer mit Hüten, von dem er gar nicht wissen sollte, dass er existiert…

Er erfuhr, dass alles hätte anders laufen sollen. Hätte er sich mit Kaffee bekleckert, hätte er zurück in seine Wohnung müssen, wäre nicht mit dem Bus gefahren und hätte diese Entdeckung nicht gemacht – so war der Plan. Schließlich war es nun doch anders gekommen. Die Männer bemühten sich stetig David Norris wieder auf Plan zu bringen, er hätte Elise nie wieder treffen sollen… Es beginnt ein Wettlauf, wird David Elise nochmal wiedersehen?

Der Plan ist ein sehr interessantes Spektakel mit ansprechender Idee und guter Besetzung (Emily Blunt, Matt Damon). Die Charaktere und die Story sind eher einfach gehalten, der rote Faden ist klar erkennbar. Genauso das Ergebnis, das eintreten wird, ist sehr vorhersehbar. Allerdings bleibt man stets am Film dran, weil man wissen will, was hinter den mysteriösen Männern mit Hüten steckt.

Die eingebaute Liebesgeschichte erinnert sehr an Romeo und Julia ohne viele Wendungen, in die heutige Zeit transportiert – jedoch nicht ganz: Die Männer mit Hüten erinnern auch nicht sehr an die heutige Zeit, man fühlt sich an manchen Stellen doch weiter in die Vergangenheit zurückgeworfen als das eventuell gewollt ist. Gut, dass einen gezieltes Product-Placement durch Blackberrys dann wieder auf Plan bringt, das heißt in die heutige Zeit zurückversetzt. Die Dialoge zwischen den doch gut erdachten Charakteren wirken meist gut überlegt, an manchen Stellen besonders im Zusammenhang mit dem Hauptstrang – dem Plan – etwas lächerlich. Hier ist ständig vom Vorsitzenden die Rede, es gibt irgendwie von jedem Mann mit Hut einen Boss mit höherer Gehaltsstufe – je nach Hierarchiehöhe müssen die sich mit komplexeren Problemen, am Ende mit dem Problem Norris, auseinandersetzen. An manchen Stellen wirkt diese Tatsache, die dann doch mehr als einmal betont wird, etwas flach und lächerlich.

Fazit: Insgesamt doch sehr ansprechender Film mit Potential. Leider lässt die Umsetzung an manchen Stellen zu wünschen übrig, aber trotz allem – vor allem wegen der guten Idee – sehenswert

Gesamtwertung
Story Action Spannung Charaktere Anspruch Note
+ + ++ ++ ++ 2,0

Mrz 30

Horror aus Norwegen: Trolljäger (Trolljegeren)

Der mittlerweile 2. internationale Erfolg der Produzenten Sveinung Golimo und John M. Jacobsen, bekannt durch den Film “Max Manus”, schafft es als eher unbekannter norwegischer Film zuerst zum renommierten “Sunndance Film Festival” und anschließend in die Deutschen Kinos. Der als Mockumentary gedrehte Horror-Thriller hat jedoch kaum bekannte Schauspieler und auch der Regisseur sowie Drehbuchautor André Øvredal ist international ein komplett unbeschriebenes Blatt.

Wir verfolgen die Filmaufnahmen von drei norwegischen Studenten, die einen Dokumentarfilm über den vermeintlichen Bärenwilderer Hans (Otto Jespersen) drehen wollen, und diesen daher durch norwegische Wälder verfolgen. Dabei fallen ihnen schon einige Unregelmäßigkeiten an seiner Person auf. Als sie ihm nachts dann dicht auf den Fersen sind, sehen sie auf einmal Lichtblitze und hören ein Gebrüll, das von etwas größerem als einem Bär stammen muss. Hans kommt ihnen entgegengerannt und schreit laut Troll. Sie retten sich alle in Hans Geländewagen und finden kurze Zeit später heraus, dass etwas ihr Auto zerstört und die Reifen gefressen hat. Hans bietet ihnen an ihn zu begleiten und das zu jagen, was dafür verantwortlich war. Es beginnt ein großes Abenteuer auf der Jagd nach Trollen, das viele Gefahren birgt und so einige Überraschungen bereithält. Dabei kommen die Studenten durch ganz Norwegen, verfolgt von einer geheimen Regierungsbehörde und erfahren so manche Dinge, von denen sie gedacht  haben, dass sie eigentlich ganz anders wären. Von Naturereignissen bis zur staatlichen Infrastruktur scheint nichts so zu sein wie es eigentlich sein sollte…

Der Film erinnert zumindest am Anfang sehr an “Blair Witch Project”. Die Handlung lässt klar einen roten Faden erkennen, der sich durch den ganzen Film zieht und recht eindimensional ist. Es wird immer wieder gut Spannung aufgebaut, die mit witzigen Momenten aufgelockert wird. Auch die Trolle werden grafisch ziemlich gut dargestellt und der eine oder andere Special-Effekt wird sehr Sinnvoll  eingesetzt.

Das Setting mit den 3 Studenten, die einen dubiosen Mann verfolgen ist recht gut umgesetzt und auch Schauspielerisch ziemlich überzeugend. Nachdem dann allerdings die eigentliche Trolljagd beginnt, driftet das ganze ziemlich arg ins unsinnige ab. Zwischendrinn gibt es immer wieder Szenen die einfach zu lächerlich sind, oder sich gegenseitig widersprechen. Irgendwann verliert der Film einfach zu viel an Glaubwürdigkeit, die er eigentlich auch durch das Intro behalten will. Dem Zuschauer bleibt dann ein mäßiger Film, der sich nicht richtig entscheiden kann, ob er jetzt Horror, Komödie, Fantasy oder Verschwörungsthriller sein will. Nur die Trolle bleiben so richtig in Erinnerung.

Fazit: Wiedermal ein skandinavischer Film, der es geschafft hat in die USA und nach Mitteleuropa zu kommen, aber dort niemand richtig vom Hocker haut.

Gesamtwertung
Story Action Spannung Charaktere Anspruch Note
~ + ++ + ~ 3,3

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