#Antilagerkoller 136 – Impfüberblick

Liebe Leser,

40 Mio. Impfdosen sind bereits in den Oberarmen in Deutschland gelandet. Nun sind 37% der Bevölkerung wenigstens erstgeimpft und schon über 11% komplett durchgeimpft.

Hierzulande sind derzeit 4 verschiedene Impfstoff zugelassen. Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer macht dabei den Löwenanteil in den verabreichten Dosen aus. Danach folgt der umstrittene – erst ab 60 empfohlene, aber dennoch genau von dieser Altersgruppe verschmähte – AstraZeneca-Impfstoff, dann Moderna und das Schlusslicht bildet schließlich der von Johnson&Johnson, der nur einmal verimpft werden muss. Ein Überblick…

Impfstoffauswahl – oder doch nicht?

Hier in Deutschland haben wir seit dem Impfstart nach wie vor das gleiche Problem: Wir haben nicht genug Impfdosen und wir haben erst Recht nicht genug Impfdosen, sodass jeder nach Belieben wählen kann, welchen Impfstoff er bekommt. Wer trotzdem wählen möchte, der muss tief graben (mit der Stecknadel suchen) oder lange warten. Schlussendlich muss aber immer gelten: Ein Impfstoff ist besser als gar kein Impfstoff! Doch was ist mit den gefährlichen Nebenwirkungen?

Der Beliebteste: BioNTech/Pfizer

Dieser Impfstoff basiert auf der neuen mRNA-Technologie und schützt ab zwei Wochen nach der zweiten Impfung, die nach 4 bis 6 Wochen geplant wird) sehr gut gegen die bekannten Varianten. Die erste Impfung ist gut verträglich und baut einen guten Schutz gegen das Virus auf, wobei die Zweitimpfung stärkere Nebenwirkungen hervorrufen soll. Derzeit ist der Impfstoff ab 16 zugelassen. Ein Zulassungsantrag für Personen ab 12 läuft bereits. Nach der zweiten Injektion verfügt man über einen sehr großen Schutz gegen das Virus, weshalb der Impfstoff hierzulande so beliebt ist.

Der Seltene: Moderna

Der Impfstoff aus der USA basiert auf der gleichen Technologie wie der von BioNTech/Pfizer und soll noch einen besseren Schutz bieten. Leider exportieren die USA nur sehr wenig, weshalb er auch in Deutschland sehr rar ist. Er wird quasi mit dem deutschen Impfstoff aus Mainz gleichgesetzt.

Der Umstrittene: AstraZeneca

Kein Impfstoff hat es häufiger in die Schlagzeilen geschafft als der von Vektorimpfstoff AstraZeneca. Als der Impfstoff hierzulade erschien, klagten sehr viele Menschen über sehr große Nebenwirkungen, darunter Fieber, Kopfschmerz, Schüttelfrost für bis zu 3 Tage nach der Impfung. Da diese Nebenwirkungen bei BioNTech/Pfizer nicht oder nur bei Zweiimpfung auftreten können, entschieden sich zunächst viele Menschen dagegen. Nach ein paar Wochen wurden zusätzlich zu den Nebenwirkungen noch wenige Fälle von Hirnvenenthrombosen nach Impfung bekannt, die zu einem fast europaweiten Impfstoff führten. Es stellte sich heraus, dass jene schwere Nebenwirkungen nur bei jüngeren Impflingen auftraten, weshalb die ständige Impfkommission in Deutschland den Impfstoff fortan nur noch für Über-60-Jährige empfahl.

Doch genau diese Altersgruppe verschmähte diesen in Scharen und ließ sich lieber die Spritze mit BioNTech/Pfizer setzen. Es folgten zahlreiche Impfaktionen: Während die 70-Jährigen beim Impfen dran waren, gab man 60-Jährigen die Möglichkeit, die Impfung vorzuziehen. Doch es schienen immer noch genug Dosen übrig. Hastige Überzeugungsversuche der hiesigen Hausärzte bei den Über-60-Jährigen, sich doch AstraZeneca spritzen zu lassen, liefen uns Leere. Anfang Mai entschied dann Jens Spahn die Impfpriorisierung für den Impfstoff komplett aufzuheben – zumindest bei den Hausärzten nach ausgiebiger Belehrung. In Impfzentren wird immer noch nach Protokoll vorgegangen. In den meisten Impfzentren ist gerade die Personengruppe 3 an der Reihe.

Wird man mit AstraZeneca geimpft verfügt man zwei Wochen nach der ersten Dosis über einen recht hohen Schutz. Die zweite Dosis soll man erst nach 12 Wochen erhalten. Das Gesundheitsministerium lässt nun eine Verkürzung auf bis zu vier Wochen zu – auf Kosten der Wirksamkeit. Der Ministerpräsident Kretschmer sowie die Präsident des Hausärzteverbands fordern deswegen – nach dem Vorbild Österreich – den einmal mit AstraZeneca geimpften Personen die Rechte von Genesenen zu geben.

Übergangsregelung für junge Menschen mit Erstimpfung AstraZeneca vor der Empfehlungsänderung der STIKO

Hat man als Unter-60-Jähriger vor der Kehrtwende der STIKO die erste Dosis AstraZeneca bekommen, so bekommt man mit der Zweitimpfung aufgrund des hohen Thrombose-Risikos einen mRNA-Impfstoff von Moderna/BioNTech. Erste Studien aus Spanien zeigen ein Antikörperniveau, das 30-40 Prozent größer ist als in der Kontrollgruppe mit zwei Impfungen mit AstraZeneca.

Über-60-Jährige, die sich freiwillig für AstraZeneca entschieden haben, sowie junge Menschen, die wider der Empfehlung der Stiko haben impfen lassen, profitieren nicht von der Zweitimpfung mit einem alternativen Impfstoff.

Der Einmalimpfstoff: Johnson&Johnson

Auch der Vektorimpfstoff von Johnson&Johnson zeigt bei Jüngeren erhebliche Nebenwirkungen und wird deshalb nur für Über-60-Jährige empfohlen. Da dieser sich aber auch als Ladenhüter erwiesen hat, ist auch hier die Priorisierung komplett aufgehoben. Das Besondere an dem Impfstoff ist, dass er nur einmal verimpft werden muss und der Geimpfte 28 Tage nach der Impfung direkt geschützt ist. Leider ist der Impfstoff hierzulande noch sehr schlecht verfügbar, da es Lieferschwierigkeiten gibt. Ab Ende Mai sollen Hausärzte damit versorgt sein. Es ist ebenfalls angedacht, Obdachlose mit diesem Impfstoff durchzuimpfen.

Wegfall der Priorisierung

Während die Impfzentren gerade noch Gruppe 3 durchimpfen stellten Bund und Länder eine generelle Aufhebung der Impfpriorisierung zum 7. Juni in Aussicht. Dann wird sich jeder um einen Termin im Impfzentrum bewerben können, sofern die Portale es denn schaffen, die Vielzahl an Anfragen zu bearbeiten.


Ein fälschungssicherer Impfpass für Deutschland?

Kurz vor Weihnachten war sie endlich da, die lang ersehnte Impfung. Fortan stieg die Impfgeschwindigkeit kontinuierlich an. Zahlreiche Chargenaufkleber wurden in gelbe Impfpässe geklebt, die weltweit anerkannt sind. Hat man den Impfstoff nicht dabei, bekommt man einen weißen Zettel mit einem Aufkleber und einer Unterschrift. Doch dank Social-Media landeten Fotos von den Impfaufklebern samt Chargennummern und Arztstempel im Netz. Das wäre nicht so kritisch, wenn es nicht zahlreiche Impfgegner gäbe und der Impfstoff nicht so ein rares Gut wäre.

Da der gelbe Impfausweis alles andere als fälschungssicher ist, sind nun die Fälscher am Zug, die gefälschte Impfpässe und Bescheinigungen an die Bevölkerung verkaufen, damit diejenigen wieder ins Restaurant oder reisen können. Abhilfe schafft nur ein für alle verfügbarer Impfstoff oder ein fälschungssicherer digitaler Impfpass, doch das ist gar nicht so einfach. Die IT-Infrastruktur soll im Juni schon stehen, doch 100 Arztpraxensysteme müssen an das System angebunden werden. Noch desaströser ist die Lage für die schon vollständig Geimpften. Während andere Länder wie Frankreich oder Spanien erfasst und gespeichert haben, welche Personen bereits geimpft sind, hat man sich dies – nicht zuletzt aus Datenschutzgründen – gespart.

Da wir in Deutschland – zur Recht – hohe Datensicherheits- und Datenschutzanforderungen haben, dauert eine Entwicklung einer IT-Plattform länger als anderswo. Impflinge, die im Impfzentrum waren, sollen ihren Zugang zum digitalen Impfausweis per Post erhalten. So schlecht ist die Idee nicht, denn jeder weiß, dass die beste Mailverschlüsselung 80ct kostet (Porto).

Allerdings ist ein dilettantisch abgesichertes Impfprotal auch das, was Deutschland am wenigstens benötigt, wie ein Beispiel in der Schweiz zeigt. Dort ist das Vorhaben zum digitalen Impfzertifikat mit Pauken und Trompeten gescheitert.


Lockerungen in ganz Deutschland und im Ausland

Wo man in Deutschland jetzt Urlaub machen sollte und wo nicht ist schwierig zu beantworten. Man muss zahlreiche Verordnungen und Regelungen studieren, um herauszufinden, ob die Außen- oder Innengastronomie offen hat oder ob Geschäfte geöffnet sind. Es finden sich auch viele Modellregionen im Land, an denen sogar Tourismus möglich ist. Das alles ist natürlich mit strengen Hygienekonzepten verbunden:


Endlich!

Ich wünsche euch eine gute Pfingstwoche, von wo auch immer ihr das lest. Vielleicht habt ihr mehr Glück mit dem Wetter oder der Außengastronomie.

Liebe Grüße pedaa

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