#Antilagerkoller 140 – Inzidenz-Talsohle

Guten Tag liebe Leser,

nach einer langen Pre-Sommerpause melde ich mich zurück. Es scheint so, als hätten wir gerade die Talsohle der Neuinfektionen in Deutschland erreicht. Die Zahl der Neuinfektionen hat das Sommerniveau von 5 erreicht und sinkt nun nicht mehr. Es bleibt ein Grundrauschen der Infektionen in unserem Land und das wird sich, wenn man Virologen befragt, auch so schnell nicht ändern – zumindest nicht nach unten. Im Gegenteil: Die Delta-Variante, die viel ansteckender als der Ursprungswildtyp des Virus ist, ist inzwischen für die Hälfte aller Neuinfektionen und das ist täglich eine dreistellige Anzahl verantwortlich. Wir klären die wichtigsten Fragen

Erwartet uns eine vierte Welle?

Wahrscheinlich. Schon im August wird die Delta-Variante die Vorherrschende sein, was heißt, dass man sich ab diesem Zeitpunkt noch viel leichter anstecken kann als zuvor. Vor allem für Ungeimpfte und noch nicht vollständig Geimpfte besteht die Gefahr sich anzustecken. Da es für Schüler unter 12 gar keinen Impfstoff gibt und es immer noch keine STIKO-Empfehlung für alle Unter-18-Jährigen gibt, ist die Befürchtung groß, dass diese Treiber der 4. Welle werden könnten. Noch sind in vielen Bundesländern Sommerferien oder haben noch gar nicht angefangen. Doch spätestens wenn alle Schüler, Grundschüler und Kindergartenkinder wieder in die Betreuungseinrichtungen kommen, könnte es los gehen.

Wo klemmt’s Deutschland?

Luftfilteranlagen

Leider hat man in Deutschland viel zu spät erkannt, dass Luftfilter an Schulen die Lage maßgeblich entlasten könnten. Das Budget wurde im Frühjahr dieses Jahres erst zur Verfügung gestellt und nur teilweise abgerufen. Teils fehlen aber Handwerker, um diese zu montieren oder die Beschaffung selbst verzögert sich. Wir haben keine Antwort auf die Pandemie in Deutschlands Schulen, außer eine: Wechselunterricht bzw. Distanzunterricht.

Einreise #deutschlandDigital

Wer aus einem Corona-Risikogebiet nach Deutschland einreisen will, muss die Gesundheitsbehörden mit einer sogenannten Einreiseanmeldung informieren. Ein entsprechendes Formular gibt es digital beim RKI. Doch die FDP fand heraus, dass es seit September trotzdem zwei Millionen solcher Anmeldungen in Papierform gab, die die Post bearbeiten musste.

Datenlage und schlechte Terminmoral

Wir haben nach wie vor kein Impfregister, in dem wir festhalten, wer bereits geimpft ist und wer nicht. Somit können wir auch nicht sehen, wem die Zweitimpfung derzeit noch fehlt. Wenn man bei den Kassenärztlichen Vereinigungen der Bundesländer schaut, sieht man allerdings, dass viele Tausend Impflinge ihren Zweitimpfungstermin einfach sausen lassen.

Warum genau wissen wir nicht. Evtl. laufen jetzt viele Menschen mit unvollständigen Impfschutz umher. Vielleicht ist es aber auch so, dass Menschen zwei Ersttermine wahrgenommen haben und den Zweittermin jeweils verpasst und eben nicht abgesagt haben (das ist so gängige Praxis). Die Terminmoral ist betrüblich, aber nicht zu ändern.

Ungeliebter Impfstoff

Die Kassenärzte aus NRW möchten künftig gar keinen AstraZeneca-Impfstoff mehr geliefert bekommen. Der sehr gute Impfstoff sei durch die Politik und die Medien soweit verunglimpft worden, dass sie ihn einfach nur sehr schlecht loswerden. Nachdem die Priorisierung für alle Impfstoffe gefallen ist, wollen alle nur noch den modernen mRNA-Impfstoff.

Anfang Juli verkündete die STIKO dann noch eine Empfehlung für Kreuzimpfungen (Empfehlung für einen mRNA-Impfstoff nach erfolgter AstraZeneca-Erstimpfung,) weshalb nun wohl auch noch der Zweitimpfstoff von AstraZeneca liegen bleibt. Inzwischen scheint es insofern genug Impfstoff zu geben, dass die Kassenärzte ab nächster Woche wohl auch das geliefert bekommen, was sie zuvor bestellt haben. In zahlreichen Impfzentren lassen sich inzwischen für Jedermann Termine vereinbaren. Die Message ist pragmatisch: Jeder kann auch zur Zweitimpfung ins Impfzentrum kommen, unabhängig davon, wo man seine Erstimpfung erhalten hat. Doch bitte solle man dann die Zweittermine, die man nicht braucht, absagen.

Nun, das Datenchaos sollte dadurch größer werden.

Lockerungen für Geimpfte?

Seitdem die diversen ansteckenderen Varianten auf der Welt kursieren hat der Bund eine neue Kategorie für die Risikoeinschätzung für Länder eingeführt: Virusvariantengebiet. Wer aus einem solchen Gebiet zurückkommt, muss zwingend in Quarantäne – egal ob geimpft oder nicht. Will man in ein solches Gebiet reisen, ist die Motivation natürlich nicht gerade groß, sich vollständig impfen zu lassen, weil man dadurch die Gängelung durch die Behörden nicht los wird – von dem gesundheitlichen Schutz mal ganz zu schweigen.

In der Politik macht man sich deshalb darüber Gedanken, wie man Menschen zum Impfen motivieren kann. Ganz oben auf der Liste steht die Abschaffung der Maskenpflicht für Geimpfte, die vermutlich bald kommen sollte. In welchem Maße steht noch nicht fest.

Die Diskussion kommt jedenfalls wie immer viel zu früh. Vor einer Woche hatte man noch die Maskenpflicht im Freien – die fast komplett unnötig ist und das ist Wissensstand September 2020 – nicht komplett abgeschafft und jetzt will man sie schon im Innenraum nicht mehr haben. Politische Diskussionen kommen im Wahlkampf meist zur Unzeit und zerstören mehr Vertrauen als sie bringen, oder?


Nun mal in eigener Sache: Wir befinden uns tatsächlich gerade im Sommerloch der Berichtssaison. Deshalb erscheint auch mein Blog nicht mehr ganz so oft. Wenn es neue Entwicklungen zu Corona gibt, melde ich mich auf jeden Fall mit einem Dienstagsblog zurück. Schaut also gerne ab und zu wieder dienstags, 18 Uhr bei mir vorbei.

Danke für eure Treue, liebe Leser! Ich bin nicht weg, ihr hört von mir…

Euer pedaa

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