#Antilagerkoller 120

Liebe Leser,

der Bund-Länder-Gipfel letzte Woche hat uns nichts wirklich Neues gebracht. Im Ergebnis beschloss die Ministerpräsidentenkonferenz die prognostizierte Verlängerung des Lockdowns bis Valentinstag und eine FFP2/OP-Maskenpflicht im Personenverkehr.

Was bleibt von den Verschärfungen?

Die Länder besserten ihre Corona-Schutzverordnung nach, doch der Flickenteppich bleibt groß: Ausgangssperre in BW und BY, Kita-Öffnungen stellenweise nur mit Notbetreuung, obwohl sie eigentlich zu haben.

Homeoffice

Besonders versagt hat Deutschland (wieder) beim Thema Homeoffice. Bundesarbeitsminister Heil ist nun das zweite Mal an diesem Thema gescheitert. Was als Gesetz des letzten Jahres gedacht war, versucht er heute per Verordnung durch die Hintertür einzuführen – und scheitert. Vom harten Diktat zum Homeoffice, das vom Gewerbeaufsichtsamt kontrolliert wird hin zur Testpflicht am Arbeitsplatz ist was genau übrig geblieben? Ach ja, eine FFP2/OP-Maskenpflicht am Arbeitsplatz, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann – nur an ungeraden Werktagen zwischen 10:15 und 11:00 Uhr bei Innentemperaturen von 19,55°C bis 23,2°C.

Aber warum den Unternehmen Homeoffice vorschreiben wollen, wenn es doch schon auf kommunaler Ebene auf doch sehr vielen Ebenen hakt:

Mutation

Die Sorge der Deutschen vor den Mutationen, die knapp 35% ansteckender sind, ist groß. Dass nachgeschärft wird, ist richtig. Trotzdem wird man den Gedanken nicht los, dass wir damit zu langsam zu zu zaghaft sind. Israel hat die Flüge aus den betroffenen Gebieten bereits canceln lassen, die USA verlängerte strikte Einreisesperren. Bei uns kontrolliert die Bundespolizei seit diesem Sonntag verstärkt am Flughafen und haben ein doch bemerkbare Anzahl an Verstößen entdeckt. Jede Neuinfektion ist eine zu viel,.. dämlich!

Doch nicht nur der Reiseverkehr, sondern auch der Warenaustausch zwischen den Ländern ist erneut betroffen. Das Robert-Koch-Institut hat Spanien als Hoch-Risikogebiet klassifiziert, sodass LKW-Fahrer, die frische Lebensmittel anliefern jetzt nicht mehr ohne frischen Test einreisen dürfen. Besonders im Kontext mit verderblichen Lebensmitteln ist das mehr als ärgerlich und vermutlich dennoch nötig? Die Logistiker stehen vor komplexen Herausforderungen.

Wir hoffen, dass der Virologe Drosten mit seiner Prophezeiung von 100.000 Neuinfektionen pro Tag dann doch nicht recht hat und versuchen mit aller Kraft die dritte Welle zu verhindern.

Neue Medikamente und Tests

Nach dem Willen von Jens Spahn sollen Corona-Antigen-Schnelltests bald für alle in Apotheken verfügbar sein. Von Spucken und Gurgeln ist in diesem Zusammenhang die Rede. Außerdem orderte die Bundesregierung eine sechsstellige Anzahl desjenigen Medikaments, das einst Donald Trump während seiner Infektion auf die Beine geholfen hat, das aber in Europa noch nicht zugelassen ist. Das bestellte Medikament soll im Bedarfsfall an Uni-Kliniken verabreicht werden und schwere Verläufe einer Covid-Erkrankung verhindern.

Ausland

Unterdessen tobt in Holland der Mob, nachdem das Land eine nächtliche Ausgangssperre verordnet hat. „Mit Protesten hat das nichts mehr zu tun“, sagt die Regierung. Wenn es so weiter geht, droht ein Bürgerkrieg.


Impfwahnsinn

Vergleicht man die Situation in Deutschland mit Vorzeigeländern, was Impfen angeht, rund um den Globus, so bleibt einem nichts anderes übrig als sauer zu sein. Das deutsche hausgemachte Chaos hat uns mal wieder fest im Griff. Der Impfstart in den Pflegeheimen am 29.12.2020 war zwar ein voller Erfolg, aber ein Durchbruch war es dennoch nicht. Wir haben ein exponentielles Wachstum bei den Impfungen erwartet, doch die Impfzahlen stagnieren auf niedrigem fünfstelligem Niveau (Anzahl pro Tag). Woran das jetzt liegen mag, weiß man nicht genau. In den Medien wird nur über Enttäuschungen, was die Impfstofflieferungen angeht, berichtet.

Die Fakten

  • Deutschland hat gemeinsam mit der europäischen Union Impfstoffe bestellt und breit über die Hersteller gestreut. Schließlich wusste man zum Zeitpunkt letztes Jahr nicht, welcher Impfstoff das Rennen machen wird. Im Juni gab die Bundesregierung das Verhandlungsmandat an die EU. Doch die Verhandlungen waren wohl zu bürokratisch und zu preisfixiert. Die Bestellung erfolgte im November, nachdem die ersten positiven Meldung durchgesickert waren.
  • Deutschland hat im Vergleich somit sehr spät den Impfstoff bestellt (November 2020), sodass jetzt beispielsweise die USA und Israel bei den Lieferungen bevorzugt behandelt werden. Bei uns kommt es zu Unterbrechungen, weil gewisse Werke nun umgerüstet werden, um die Kapazität auszubauen. Dies betrifft sowohl die Impfstofflieferung von AstraZeneca wie auch den Impfstoff von BioNTech/Pfizer.
  • Berechnungen des SPIEGEL zu Folge haben wir zu wenig Impfstoff bestellt und somit am falschen Ende gespart. Doch das kommt momentan gar nicht zum Tragen, da nicht genug Impfstoff (aus anderen Gründen) bei uns ankommt. Am Ende gibt es genug Impfstoff für alle, es ist nur die Frage, wann er zur Verfügung steht.

Probleme beim Impfstart in NRW

Und wenn er Impfstoff mal da ist, dann kommt es zu anderen Reibungsverlusten, die mit unserem System zu tun haben. Gestern Nacht wurde das Portal zur Reservierung von Impfterminen in NRW für die Zielgruppe freigeschaltet. Die Portale sind überlastet, die Hotline nicht erreichbar. Wozu brauchen wir eine Hotline? Gute Frage! An den Serverkapazitäten wird jedenfalls gespart. Willkommen im Jahr 2000!

Am 15. Januar (Freitag) teilte Pfizer mit, dass man aufgrund der Schließung des Werks in Belgien weniger Impfstoff im Januar liefern werde. Die Landesregierung NRW, die besonders früh und publik mit den Impfungen dran sein wollte, hatte zu diesem Zeitpunkt die Impf-Woche in den Klinken bereits angekündigt und geplant. Trotz des Engpasses begannen am Montag mit großem Medienrummel im Impfungen, um direkt am Dienstag wieder sofort gestoppt zu werden.

Doch damit nicht genug: Der Start der Impfzentren verschiebt sich um eine Woche und es kann dort dann nur nachmittags geimpft werden. Immerhin hat man bis dahin auch genug Zeit, bei der Hotline anzurufen oder sich den hauseigenen Internetanschluss von der Telekom ins Haus legen zu lassen.

Blick auf andere Impfstoffhersteller

  • Das Pharmaunternehmen Merck & Co aus den USA erklärt seine Impfstoffforschung für gescheitert und fokussiert sich jetzt auf Medikamente gegen schwere Verläufe. Die Studien zum eigenen Impfstoff war wohl zu ernüchternd.
  • Berichten zufolge hat der Impfstoff von AstraZeneca wohl einen sehr niedrigen Wirkungsgrad bei den über 65 Jährigen. Eine Sprecherin des Unternehmens dementierte. Die entsprechenden Studienergebnisse stünden noch aus.
  • Auch der moderna-Impfstoff könne wohl nicht die gewünschte Effizienz bei Senioren zeigen, wenn es zu Mutationen kommt (84%). Deswegen bessert moderna nun nach.

Wirtschaft

Bahn: Pünktlichkeit, AdobeFlash und Telefonieverbot

Die Deutsche Bahn hat ihre Pünktlichkeitsstatistik 2020 veröffentlicht und war so pünktlich wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das Geheimnis: Ohne Fahrgäste fährt man pünktlich. Setzen, Sechs! Ich greife mal Dieter Nuhr auf:

Man könnte meinen, die Deutsche Bahn hätte vor 15 Jahren das Virus in Auftrag gegeben und es ist leider mit Verspätung bei uns – mit einem Umweg über Wuhan wegen einer falsch gestellten Weiche – angekommen.

Dieter Nuhr, 21.01.2021, nuhr im Ersten (kein wörtliches Zitat)

Immerhin läuft unsere Planung im Personenverkehr nicht mit AdobeFlash wie in China, was dort zu einem großen Ausfall geführt hat. Es läuft also auch dort nicht alles ganz rund.

Außerdem andiskutiert:

Corona-Warn-App-Prämie

  • Die Nutzungszahlen der deutschen Corona-Warn-App, die uns jede Menge Geld gekostet hat, sind katastrophal. Eigentlich hätte man die Deutschen Sparer besser kennen müssen. Mit 5€ wäre man bei 17% mehr Nutzern gewesen:

Was eventim mit Impfterminen zu tun hat

In Schleswig-Holstein hatte anscheinend jemand die richtige Idee: Hier wird die Impfstoffterminvergabe in Zusammenarbeit mit dem Konzertticket-Verkäufer eventim organisiert. Da sind die Serverkapazitäten vorhanden und werden nicht genutzt.

H&M geht die Puste aus

Der Modekonzern muss die ersten Stellen aufgrund der Corona-Pandemie kürzen. Das soll zwar sozialverträglich geschehen und doch sind viele Mütter betroffen:


#Geschreddertes

Das wars, ich geh wieder spielen…

Freut ihr euch auch schon auf die neue Version der FFP2?

Euer pedaa

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