#Antilagerkoller 125 – Testen, Impfen, Öffnen

Liebe Leser,

wieder ist eine Woche vergangen. Deutschland geht in die nächste heiße Phase der Pandemie. Auf die Entscheidungen, die Bund und Länder am kommenden Mittwoch treffen, kommt es jetzt essentiell an. Die Diskussionen sind größer denn je, denn die Wirtschaft muss langsam öffnen, um nicht zu weiter ins Abseits zu rutschen. Der Rückhalt in der Bevölkerung für die Corona-Maßnahmen und Einschränkungen schwindet und an den Fallzahlen zeichnet sich der Aufbau einer dritten Welle ab. Die Hintergründe hier im Blog.

Diskussionspunkte

Schnelltests: Wann und Wo?

Es ist noch nicht allzu lange her seitdem uns Jens Spahn bundesweite, kostenlose Corona-Schnelltests versprach – für den 1. März. Daraus wurde ganz schnell der 8. März. Die Politik benötigt eine Woche mehr Zeit. Doch wo wird getestet? In der Schule oder Kita, im Einzelhandel, im Restaurant, Zuhause oder nur in Teststationen oder Apotheken?

Sofern es Lockerungen bei Gastronomie, Urlaub und Einzelhandel gibt, muss ein intelligentes Testkonzept dahinter stehen. Bringt die Tests für Zuhause und in Apotheken und verlangt hierzu einen geringen Kostenbeitrag. Wenn sich alle Interessierten und Nicht-Corona-Leugner vor einem Restaurantbesuch oder gar regelmäßig testen, haben wir schon viel gewonnen.

Öffnungen

Die Öffnungsdiskussion ist trotz des Aufbauens der dritten Welle in vollem Gange. Die Inzidenzen sind niedrig, aber nicht niedrig genug. Vielleicht müssen wir zu Lockerungen nach Infektionsgeschehen kommen:

  • Finden draußen sehr viel weniger Infektionen statt, dann öffnet die Außengastronomie, die seit der Öffnungen von Outdoor-Take-Aways faktisch geöffnet ist – die Menschen halten nur beim Essen und Trinken vor dem Stand die Abstände nicht ein, weil sie zu wenig Sitzgelegenheiten haben.
  • Wenn sich im Einzelhandel nachweislich wenig Menschen anstecken und wir kein Weihnachtsgeschäft erwarten, dann öffnet den Einzelhandel unter strikten Personenbeschränkungen oder ermöglicht Shoppen auf Termin.
  • Öffnet den Einzelhandel und die Zoos unter freiem Himmel! Seit 1. März sind schon an vielen Orten die Baumärkte und Gartencenter wieder offen. Allerdings ist es bemerkenswert, wie unterschiedlich Zoos, Blumenläden, Baumärkte und Kosmetikstudios je nach Land und Kreis unterschiedlich behandelt werden.

Aufgrund der ansteigenden Zahlen wurde so mancherorts die Maskenpflicht ausgeweitet. Düsseldorfs OB verhängte sogar ein Verweilverbot auf der Rheinuferpromenade, weil sich dort am 20-Grad-Februarwochenende zu viele Menschen aufhielten. Selbst Jogger müssen dort jetzt Maske tragen. Die Situation ist absurd. Viel sinnvoller wäre eine Regel der Maskenpflicht dort, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann – zumal die Ansteckung unter freiem Himmel relativ unwahrscheinlich ist. Aber leider sind wir / ist es uns vielerorts zu doof (sorry), diese Orte eigenverantwortlich zu erkennen. Auf den Abstand kommt es an – dann bräuchte ich gar keine Maske außerhalb von Gebäuden!

Impfen

AstraZeneca-Drama

Nicht zu unrecht müssen wir uns den Vorwurf, wir würden durch die Impfgeschwindigkeit zum Corona-Verlierer, gefallen lassen. 90% des gelieferten AstraZeneca-Impfstoffs blieben derzeit in Deutschland unverimpft. Schnell waren die Berichte über grippeähnliche starke Nebenwirkungen bekannt geworden, weshalb einige Bundesbürger ihre Impftermine nicht wahrgenommen hatten. Auch die eingeschränkte Zulassung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Unter-65-Jährige hat der Reputation des Impfstoffs keinen Gefallen getan. Diese Empfehlung soll nach den neusten Entwicklungen und Studien jetzt wieder ausgeweitet werden. Das Bundesgesundheitsministerium sollte aufklären und den Bürger beruhigen, aber schaffte es nicht. Das war alles verbrannte Erde! Danke für gar Nichts!

Impf-Reihenfolge

Die Deutschen bilden seit Pandemiebeginn oder gar schon immer eine Empörungsgesellschaft. Wir sind viel zu sehr damit beschäftigt, uns über Impfreihenfolgeverstöße aufzuregen, als dass wir mit unserer Zeit das System besser macht könnten. Wie lange reden wir schon über mögliche Impfungen? Seit November. Warum hat man nicht schon vor Wochen Impflisten (ohne Termin) angefertigt?

Ein Button zum Anmelden in der Corona-App hätte es bundesweit getan – dann wäre die App auch populärer gewesen und man hätte gewusst, wo die 80-Jährigen Impfwilligen wohnen.

Wenn die Politik einem Vorschlag von Karl Lauterbach (SPD) folgt, dann müsste die Impfreihenfolge schnellstens geändert werden. Die Öffnung für Gruppe 2+3 (ab 60-Jährige) ist nötig, um den Impfrückstand, der durch die Absage der Impflinge für den AstraZeneca-Impfstoff entstanden ist, schnell zu schließen und somit die dritte Welle kleiner werden zu lassen. Worauf warten wir noch? NRW impft ab Montag Erzieher und Lehrer. Immerhinque.

Apropos App

Was haben wir viel Hoffnungen, Geld und Entwicklung in die Corona-Warn-App gesteckt, doch gezündet hat sie schließlich nicht. Die App hat dennoch eine ganz wichtige Funktion, die auch bis ins Kleinste ausgearbeitet ist: Datenschutz. Eigentlich wollte ich keine solche Datenschutz-App auf meinem Telefon.

Warum sollen wir die App-Entwicklung also nicht der freien Wirtschaft überlassen? Die Luca-App (luca-app.de) macht im Gespräch von Anne Will (Hörempfehlung) gestern Hoffnung auf eine private Kontaktverfolgung mit Cluster-Erkennung, digitalisiertem Check-In-Prozess und (optionaler) Gesundheitsamt-Anbindung (Jena, Rostock, Sylt, Amrum, Föhr und Schwerin sind schon dabei).

Datenschutzkonform. Tag-Fähig auch bei Menschen ohne Smartphone. Downloaden und Supporten!

Das Bundesgesundheitsministerium ist immer noch im Winterschlaf und Digitalisierungsniemandsland. So werden ab 1. März SMS an Anreisende mit Quarantäne-Hinweisen verschickt. (Das zeigt das ganze Digitalisierungsdefizit in einer SMS)

Bund-Länder-Runde

Am kommenden Mittwoch findet die nächste Bund-Länder-Runde statt, von der größere Entscheidungen zu erwarten sind. Einerseits um diejenigen, die vom Pandemiemanegement sehr enttäuscht sind, zu beruhigen und andererseits, um die dritte Welle wirkungsvoll abzufedern, aber dennoch entsprechende intelligente Öffnungen umsetzen kann. #Öffnungsmatrix

Es gibt viel zu tun und es wird eine lange Sitzung!


Wenn das Bundesgesundheitsministerium Digitalisierung so verstanden hätte wie wir die Verkehrswende, wären wir schon ein Stück weiter.

Kommt gut durch diese anstrengende Woche!

Euer pedaa

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