#Antilagerkoller 132 – Impfturbo

Liebe Leser,

während sich die Regierung in der K-Frage vergaloppiert, scheint die Impfkampagne des Bundes tatsächlich wie erwartet zu zünden. Wir verzeichnen aktuell 20% mindestens Erstgeimpfte. Wenn es in dieser Geschwindigkeit weitergeht, sind wir Mitte September tatsächlich durch (hochgerechnet mit dem 7-Tages-Mittel an verabreichten Impfungen).

Terminvergabe immer noch müßig

Je genauer man hinschaut, desto mehr bekommt man allerdings das andauernde Chaos bei den Impfterminen in der Republik mit. Gerade mal 5 Bundesländer haben ein eigenes Portal für die Impfungen, der Rest kocht sein eignes Süppchen. In NRW scheint es darauf anzukommen, in welches Impfzentrum man möchte. Es ist – ebenso wie bei anderen föderalen Themen – ein Flickenteppich der Angebote und Impftermine.

In Baden-Württemberg ist die Auslastung der Impfzentren mitsamt freigewordener Termine erst sichtbar, sobald man sich auf ein Impfzentrum (gemäß des eigenen Wohnorts) festgelegt hat. Dieses lässt sich danach aber nicht mehr ändern. Ist das etwa Absicht? Das ruf junge findige Programmierer auf den Plan, wie beispielsweise ein Schüler aus BW, der einfach nur seinem Großvater helfen wollte.

Mit dem Angebot des 17-Jährigen lassen sich alle Kapazitäten der Impfzentren in BW, Sachsen-Anhalt und Brandenburg einsehen. Gute Arbeit.

Wenn ich Politiker von einem digitalen Deutschland reden höre, dann rennen die bei mir persönlich offene Türen ein. Wir müssen weg von Anruf-Hotlines zur Terminvergabe und hin zu digitalen Bürgerdiensten sowie einer Bürger-ID – ich weiß, dieses Thema ist umstritten. Keiner möchte in der Warteschlange am Telefon warten, das ist 90er!

Ein Startup aus Köln bietet Impfzentren eine Software an, mit der sich Restimpfdosen per SMS an Berechtigte verteilen lassen. Wir brauchen solche digitalen Angebote, um schneller durch die Pandemie zu kommen.

Corona-App-Update

Schon diese Woche wird die Corona-App das versprochene Update auf Version 2.0 erhalten. Die App wird um folgende Funktionen erweitert:

  • Check-In-Funktion für hochfrequentierte Orte (Arbeitsplätze?), um die Risikoerkennung zu verbessern.
  • eigene Testergebnisse speichern
  • Unterstützung von Schnelltests
  • Ausblick: Bis Sommer wird ein digitales Impfzertifikat in der App erwartet.

Unterdessen ist die Luca-App mit denen sich personenbezogene Daten erfassen lassen in die Kritik geraten. Die für die Bundesländer (zwei Drittel der Bundesländer haben sie schon eingeführt) recht teure App (zweistellige Millionenbeträge) lässt sich zu leicht austricksen und es kann zu leicht ein Bewegungsprofil der Nutzer abgerufen werden. Der Code ist inzwischen im Internet veröffentlicht, aber ob das viel bringt? Datenschützer sind skeptisch. Wir werden uns an viele Apps zur Kontaktnachverfolgung gewöhnen müssen, weil Luca nicht überall Einzug halten wird. Vermutlich ist das auch gut so. Das BSI prüft die App nun schon seit einiger Zeit, der Chaos Computer Club forderte indessen ein sofortiges Moratorium für die App (Bundesnotbremse) und erhebt schwere Vorwürfe.

Unsägliche Lockdown-Diskussion

Angela Merkel hat ihre Drohung wahr gemacht und hat nach 13 Tagen eine Novellierung des Infektionsschutzgesetzes auf Bundesebene auf den Weg gebracht. Doch das Gesetz steht in der Kritik weil es in die föderalen Kreise und Länder zu sehr eingreift und die einheitliche Grenze von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner als kritische Marke setzt. Kernpunkt ist die nächtliche Ausgangssperre, die dann gelten soll. Doch die Parameter stehen in der Kritik und sind auch schon aufgeweicht:

  • Die für 21.00 Uhr geplante Ausgangsbeschränkung soll nun erst ab 22.00 Uhr gelten. Davon ausgenommen sind Sporttreibende und Solo-Fußgänger bis 24.00 Uhr.
  • Schulen sollen jetzt nicht erst bei Inzidenz 200, sondern schon ab Inzidenz 165 ihre Schüler in den Präsenzunterricht schicken.
  • Click & Collect soll weiterhin möglich sein < das könnte man auch einfach mal festlegen. Wer Pakete von der Post abholen kann, kann auch Waren im Einzelhandel abholen. Warum diskutieren wir darüber?

Viele Kreise haben nach dem letzten Wochenende schon Ausgangsbeschränkungen verhängt, darunter auch viele in NRW und BW. Das Bundesgesetz gilt, wenn alles verabschiedet wird, ab frühestens dem nächsten Wochenende. So lange werden die Inzidenzen wohl weiter steigen. Baden Württemberg gab heute bekannt, man werde bei der Ausgangsbeschränkung ab 21.00 Uhr bleiben. Die Bundesnotbremse greift anscheinend überall dort, wo die Maßnahmen zu lasch sind. Einmal ein einheitliches Vorgehen, ey!

Angst vor der nächsten Variante

Ein Blick ins Ausland verheißt diese Woche nichts Gutes: Indien verzeichnet Tag für Tag über 200.000 Neuinfektionen über die neue Coronavirus-Mutation B.1.617, die ansteckender sein soll. Jetzt müssen wir bald eine neue Vokabel bzw. Mutation erlernen. Die britische Variante, weswegen wir übrigens an Weihnachten für mehrere Tage die Grenze geschlossen haben, hat bei uns nun einen Anteil von mehr als 90%. Wer hätte es gedacht? Die Politik scheinbar nicht.


Das wars für diese Woche. Hat hier noch’n Laden auf, in dem man einkaufen kann? Au ja, der Drogeriemarkt. Aber immer schön die Ältesten Socken anziehen, damit die anderen was zu riechen haben:

Bleibt zuversichtlich diese Woche!

Man liest sich!

Euer pedaa

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