#Antilagerkoller 141: Halbzeit

Moin Zusammen,

in den letzten Wochen ist es spürbar ruhiger geworden in der Corona-Politik. Ein Unwetter ist über Deutschland hinweggezogen und hat große Schäden angerichtet. Viele Menschen mussten lange in Notunterkünften ausharren bis die Gefahr gebannt war und sie sich vor Ort die große Zerstörung ansehen konnten. Nicht zu Unrecht wuchs deshalb die Sorge, Menschen könnten sich in Notunterkünften infizieren. Dazu ist allerdings nichts weiter bekannt.

Dennoch steigen die Infektionszahlen seit zwei bis drei Wochen kontinuierlich, genauso wie die Impfquote. Großbritannien, das beim Impfen schon weiter ist, hat unterdessen alle Corona-Einschränkungen (seit 19. Juli) aufgehoben. Was ist nun der richtige Weg? Sortieren wir mal.

Wie geht’s mit dem Impfen in Deutschland?

Ab der zweiten Juliwoche war endlich genug Impfstoffe für alle vorhanden! Zahlreiche Impfzentren öffneten für die breite Bevölkerung, später sogar ohne Termin. Impfbusse fahren durch ganz Deutschland und versuchen die Menschen zur Impfung zu animieren.

Doch der große Run auf den Impfstoff war sehr schnell vorbei. Die Stimmung kippte sehr schnell von „Wir haben nicht genug Impfstoff“ zu „Wir müssen Impfstoff wegwerfen und haben mehr als wir brauchen.“

Pro Tag werden immerhin noch knapp 420.000 Menschen geimpft.

Immerhin verzeichnen wir einen ersten Teilerfolg beim Impfen: Mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung ist nun vollständig geimpft (das sind circa 70% der Erwachsenen). Mehr als 60% haben nun die erste Impfdosis erhalten und werden sich vermutlich auch noch die zweite Dosis sichern.

Dennoch verlieren wir Geschwindigkeit in der Impfkampagne. Experten schätzen den Anteil der Impfverweigerer in der erwachsenen Bevölkerung auf 10%. Kinder und Jugendliche unter 12 haben gar keinen zugelassenen Impfstoff zur Verfügung, im Alter zwischen 12 und 16 müssen diese einen Arzt finden, der sie entgegen der STIKO-Empfehlung impft. Heute wich die sächsische Impfkommission (Siko) von der Empfehlung der STIKO ab und empfiehlt nun den Impfstoff auf für Unter-16-Jährige und stützt sich dabei auf neue Daten aus der USA und Israel. Wann wird die STIKO nachziehen?

An der Auswahl an Impfstoffen kann es derzeit nicht liegen. Jeder Impfstoff ist überall verfügbar. Es gibt auch noch viele Menschen, die im Urlaub verweilen und jetzt erst zurückkommen und die sich eine Impfung sichern wollen. Und dennoch ist es mühsam nun beim Impfen aufs Tempo zu drücken.

#impfenschuetzt

(Kein) Plan für den Herbst

Erstmals hat das RKI eine Prognose und einen Plan für den Herbst veröffentlicht und diese ist düster. Die Inzidenzen werden weiter steigen – wie in Großbritannien und es ist auch eine Steigerung der Hospitalisierungsrate zu erkennen. Das RKI empfiehlt explizit keine Abkehr vom Inzidenzwert als Maß für künftige Maßnahmen.

Stimmen aus der Politik fordern das Gegenteil und stützen sich auf die geringe Hospitalisierungsrate trotz hoher Infektionszahlen im Vereinigten Königreich. Man will einen Lockdown vermeiden, da ist man sich einig. Doch wann ein neuer Lockdown verabschiedet werden muss, darüber wird heftig gestritten. Einheitliche Regeln gibt es nicht. NRW hatte zuletzt die Inzidenzstufe 3 aus dem Plan gestrichen, damit Restaurants ab einer Inzidenz von 50 nicht schließen müssen. Keiner weiß so richtig, wie es weitergehen soll.

Unterdessen werden immerhin zahlreiche Luftfilter in den Schulen eingebaut, um einen Präsenzunterricht über den Herbst und Winter weigehend lang zu ermöglichen.

Ein Digitaldrama in zwei Akten: Der digitale Impfpass

Was staunten wir im Sommer nicht schlecht, als der digitale Impfpass im Hauruck-Verfahren eingeführt wurde. Prognosen vom Chaos-Computer-Club sahen diesen frühestens im nächsten Jahr. Doch die Impfzentren konnten ihn relativ schnell ausstellen, wenn auch nur für eigene Impfungen. Hausärzte weigerten sich auf breiter Front den digitalen Impfpass auszustellen. Somit blieben nur die Apotheken übrig, die sich durch den Ausdruck des Papiers vom RKI eine goldene Nase verdienen konnten. Zunächst hatte man das Portal nur registrierten Apotheken (die sich dem Deutschen Apotheker Verband angeschlossen haben) zur Verfügung gestellt. Doch aus Gleichbehandlungsgründen musste man anscheinend dazu über gehen, den anderen Apotheken dies auch zu ermöglichen. Und genau da fingen die Probleme an: Mit nur schlechten Photoshop-Kentnissen lies sich für jedermann eine Apotheke „gründen“, um mit ihr digitale Impfpässe ausstellen zu können.

Deutschland, Digitalisierung = Nachsitzen.

Inzwischen sind einzelne Apotheker wieder am Netz und können Impfpässe ausstellen. Wie viele gefälschte Impfpässe unterwegs sind, kann keiner sagen. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Eigentlich müsste man das alles nochmal machen.

Einreiseregeln und Kontrolle

Während die Anzahl der Neuinfektionen im Ausland stark ansteigt, steigen die Zahlen hierzulande vergleichsweise moderat. Doch nun steigt die Gefahr, dass viele Reiserückkehrer die Infektion ins Land einschleppen. Deswegen tritt die geplant Verschärfung der Einreiseregeln für Deutschland nun nicht erst im September, sondern schon am kommenden Sonntag in Kraft:

  • Jeder Ungeimpfte muss sich bei Ein- bzw. Rückreise nach Deutschland testen (Antigen oder PCR-Test). Dabei ist es unabhängig, ob der Reisende mit dem Flugzeug oder mit dem Auto oder der Bahn einreist. Kinder unter 12 Jahren sind ausgenommen. Die Kontrolle übernehmen die Fluglinien und stichprobenhaft etwaige Grenzbeamte.
  • Deutschland unterscheidet künftig nur noch zwischen Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete. Einreisende aus diesen Gebieten müssen sich beim RKI registrieren.
  • Nicht geimpfte und genesene Reisende aus Hochrisikogebieten müssen sich zudem nach der Ankunft in eine 10-tägige Quarantäne begeben, die frühestens nach dem fünften Tag beendet werden kann (Freitestung).
  • Für Reisende aus Virusvariantengebieten gilt generell die 14-tägige Quarantäne, unabhängig vom Impfstatus.

Auf eines sei dann doch nochmal hingewiesen: Eine Kontrolle des digitalen Impfpasses mit dem Auge und Rumscrollen auf dem Smartphone ist wenig zielführend. Mit der CovPass Check-App lassen sich digitale Impfnachweise digital kontrollieren.

Blick ins Ausland

  • Frankreich macht Druck auf Ungeimpfte: In Frankreich gilt seit einigen Wochen eine Impfpflicht für Pflege- und medizinisches Personal. Zudem macht es die Regierung Ungeimpften zunehmend schwerer und schreibt harte Testregeln vor. Es ist angekündigt, Impfverweigerern auch den Zugang zum Fernverkehr des Landes zu verwehren.
  • In Tschechien bekommt jeder geimpfte Staatsbeamte nun zwei Sonderurlaubstage.

Joa, liebe Leute, ich bin dann mal weg im Vergnügenspark, oder doch lieber nicht…

Dann doch lieber in den Urlaub mit dem Zug…

Also doch zuhause bleiben und entspannt einen Kuchen backen.

Es ist so kompliziert.


Ich wünsche euch einen schönen Sommer, wir lesen uns schon bald wieder!

Bye! Euer pedaa

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