#Antilagerkoller 107 – Lockdown voraus?

Liebe Leser,

täglich lernen wir neue Landkreise kennen. Der Anlass ist leider mehr traurig als erfreulich, da diese Landkreise nur aufgrund hoher Schlagzahl bei Neuinfektionen in die Schlagzeilen geraten. Nach dem Lockdown im Berchtesgadener Land, verhängt nun auch der Kreis Rottal-Inn (Bayern) den Lockdown für 10 Tage. Bürger dürfen die Wohnung ab morgen nur noch aus triftigem Grund verlassen. Schulen und Kindergärten schließen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 260.

In Nordrhein-Westfalen ist die Karte inzwischen nur noch rot, da alle Kreise eine Inzidenz über 50 melden.

Neue Maßnahmen ab Mittwoch?

Kommenden Mittwoch will sich Angela Merkel wieder mit den Ministerpräsidenten treffen. Das eigentliche Treffen war erst nach den Herbstferien Anfang November geplant. Das verheißt nichts Gutes. Die Infektionszahlen in Deutschland steigen bedrohlich, die Lage scheint aber gerade noch so unter Kontrolle.

Lage in den Gesundheitsämtern

Einige Gesundheitsämter haben bei der Kontaktverfolgung allerdings schon aufgegeben.

Wie wäre es, wenn die Menschen, die infiziert zu Hause sitzen, dies künftig selbst tun? Vielleicht wären wir alle in Deutschland besser beraten, wenn ein jeder ein Cluster-Tagebuch führen würde. Ein Düsseldorfer App-Design-Studio hat eine Tagebuch-App entworfen, in der man die wichtigsten Orte und Personen des Tages notieren kann.

https://www.coronika.app/

Vielleicht sollte man auch gezielt nach Freiwilligen suchen, die bei der Kontaktverfolgung am Wochenende mithelfen? Wir müssen in Deutschland zusammenhalten und in dieser Phase verantwortlich mit personenbezogenen Daten umgehen. Es gibt zahlreiche Personengruppen, die im Ehrenamt bereits verantwortungsbewusst im Sinne der Allgemeinheit gehandelt haben.

Testlabore und Corona-Warn-App

Immerhin sind 90% der Labore inzwischen an die Corona-Warn-App angeschlossen. Doch das Wachstum stockt. Alle werden wir wohl nie erreichen. Vor allem die Labore in Krankenhäusern machen Probleme, da die IT-Systeme sehr hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen. Für die Anbindung der Labore gibt es übrigens keinerlei Zuschüsse vom Bund.

Deutschland investiert eben lieber in Telefon-Hotlines als in digitale Health-Infrastruktur.

Lockdown gefordert

Um den großen Infektionszahlen zu begegnen fordern viele inzwischen einen landesweiten Lockdown. Nächstes Wochenende könnte es schon soweit sein. Doch die Eckpunkte des Lockdowns werden zu großen Diskussionen führen

  • Werden Kindergärten und Schulen wieder geschlossen, obwohl da nicht das große Infektionsgeschehen stattfindet? Wie wäre es mit einer verpflichtenden CO2-Ampel?
  • Bleiben die Grenzen offen?
  • Mit wie vielen Personen darf man sich künftig privat treffen?
  • Müssen Restaurants und Bars wieder schließen? Ich tippe ja auf einen Teillockdown und eine Sperrstunde um 18.00 Uhr (Italien) oder 20.00 Uhr. Allerdings muss die Branche schon für die Monate März bis August einen Umsatzeinbruch von 40% gegenüber dem Vorjahr verbuchen.
  • Was passiert mit Sportstätten und Freizeiteinrichtungen?

Die getroffenen Maßnahmen gehen nicht weit genug. Vor allem an die Maskenpflicht haben wir uns einfach noch nicht richtig gewöhnt, wie der Abspann bei Anne Will zeigt.

Bevor wir eine Maskenpflicht beim Spazierengehen in der freien Natur favorisieren, sollten wir sie lieber in geschlossenen Räumen konsequenter angehen.

Einige Politiker fordern einen härteren Lockdown als beim letzten Mal, damit wir an Weihnachten oder zum Weihnachtsgeschäft wieder öffnen können. Andere halten den Semi-Lockdown bis Weihnachten für das Mittel der Wahl. Warum auch nicht im November? Da sitzen eh alle Zuhause?

Kein Karneval am 11.11.

Die Stadt Köln hat dazu aufgerufen, sämtliche Feiern am 11.11. sein zu lassen. Hinzu kommt ein Alkoholverkaufs- und -konsumverbot von 24h in der Stadt. Dreißig Prozent der Restaurants bleiben freiwillig geschlossen. Es kommt zu keinen Sperrungen und man verzichtet auf das Aufstellen von Dixi-Toiletten.

Die Stadt Köln investiert in eine große Plakatkampagne #diesmalnicht


Der Blick ins Ausland

  • Italien kämpft mit mehr als 20.000 registrierten Neuinfektionen binnen 24h. Hier gilt eine landesweite Sperrstunde ab 18.00 Uhr.
  • Spaniens Regierung verhängte am Wochenende den Notstand und kann dadurch wieder neue Ausgangsbeschränkungen erlassen. Dieser gilt allerdings nur nachts und nicht mehr den ganzen Tag.
  • Frankreich überschreitet die Infektionsschwelle von 50.000 Neuinfektionen am Tag. Es wird mit einem schnellen Anstieg auf bis zu 100.000 Neuinfektionen pro Tag gerechnet. Im Land wird jetzt eine landesweite Ausgangssperre am Wochenende andiskutiert.

Meinung: Datenlage in Deutschland

Es gibt wirklich gute Dashboards zu Corona, teils auch aus der öffentlichen Hand oder bei Zeitungen. Ich verstehe nur nach wie vor nicht, warum jede Stadt kleinteilig ihre Informationen auf ihren Seiten aufbereiten und veröffentlichen muss. Dennoch kommen da auch ganz schön coole Statistiken und Charts heraus. Meiner Meinung nach sollte diese Aufgabe allerdings jemand (zentral, vom RKI) für alle Landkreise einheitlich übernehmen und veröffentlichen. Schließlich ändert sich die Datenlage jeden Tag.

Wie viele Daten-Heinis sind derzeit in den Städten damit beschäftigt Informationen vom RKI aufzubereiten und könnten viel besser bei der Kontaktverfolgung helfen?

Darüber hinaus nervt es mich richtig zu lesen, dass gewisse Gesundheitsämter am Wochenende immer noch zu haben oder keine Daten ans RKI übermitteln. Wann bekommt ihr diesen Gap endlich in den Griff? Firmen beschäftigen ihre Mitarbeiter auch am Wochenende, wenn es brennt und stellen zur Not externe ein. Es gibt genug Menschen, die helfen würden, aber nicht dürfen.


So, genug gemeckert. Am Wochenende heißt es wieder: Happy Halloween. Oder eher doch nicht. Das große Sammeln von Süßigkeiten fällt aus. Selbst Michael Myers ist enttäuscht. Eigentlich.

Ich wünsche euch eine gute Woche, bleibt zuversichtlich!

Euer pedaa

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