#Antilagerkoller 108 – Nationale Kraftanstrengung

Liebe Leser,

am Montag begann der Lockdown light in Deutschland. Was nach leicht klingt trifft die Hotel-, Gastro- und Veranstaltungsbranche hart. Private Reisen sind so gut wie verboten, denn Hotels dürfen keine Touristen beherbergen. Die Bundesländer schicken im Laufe dieser Woche alle Touristen nach Hause. Besuche im Restaurant sollen nur noch dem Abholen von Speisen dienen. Sämtliche Kulturveranstaltungen, die Menschenansammlungen bedeuten, werden verboten. Wir blicken traurig auf die Branchen und gefährdeten Existenzen, die schon seit März unter der Krise leiden und kaum Hilfen erhalten haben.

Hilfen für Solo-Selbstständige

Das Corona-Kabinett beschließt diese Woche endlich Hilfen für Solo-Selbstständige. Es sieht so aus, als würden die geschlossenen Betriebe wie auch die Solo-Selbstständigen 75% des November-Umsatzes des letzten Jahres bekommen. Angeblich zeigt sich der Finanzminister sogar noch flexibler: Es sei auch ein Zwölftel des Jahresumsatzes des letzten Jahres möglich. Es ist dringend Zeit etwas für diejenigen zu tun, die bei den Hilfen bisher leer ausgegangen sind.

Maskenpflicht an Schulen

Mit dabei ist eine Maskenpflicht an Deutschlands Schulen, die immer weiter ausgeweitet wird. Im Winter wird zunehmend das Lüften zu einem großen Problem. Gute Konzepte zur Luftreinhaltung in Klassenräumen sind gefragt.

Übrigens: Das Installieren von Luftreinigungsgeräten in allen deutschen Klassenzimmern würde 1 Mrd. Euro kosten. Schaut man auf die Hilfen in der Coronakrise kann man zu der Meinung gelangen, das sei verkraftbar.

Doch es gibt auch andere Konzepte, die die Schüler im Rahmen einer Projektwoche in ihr Klassenzimmer einbauen können. Werden jetzt Dunstabzugshauben für Klassenzimmer eingeführt? Die Systeme kosten wohl weniger als 200€ pro Klassenraum und schaffen 95% Luftaustausch..

Individualtouristen schimpfen auf Deutsche Bahn

Wir leben in einer Zeit von Reisebeschränkungen und Beherbergungsverboten. Wer pauschal gebucht hat, bekommt in der Regel den Preis für die nicht stattfindende Reise erstattet. Wer individuell bucht, muss sich selbst um eine Stornierung kümmern – und bleibt meistens auf Kosten sitzen.

Die Deutsche Bahn wird als Staatsunternehmen immer noch als Wohlfahrt interpretiert. Deutsche buchen nicht stornierbare Tickets und wundern sich dann, dass sie das Geld dafür nicht zurückkriegen, wenn sie die Reise nicht antreten können. Schimpfen über die Deutsche Bahn war schon immer ein Volkssport. Den Supersparpreis gibt es übrigens erst seit August 2018. Er ist billiger als der Sparpreis. Dafür verzichtet der Kunde auf das Stornorecht. Das ist sehr transparent dargestellt. Bahn Kunden können anscheinend nicht lesen und gehen davon aus, dass kulantere Stornoregelungen in der Corona-Krise dauerhaft gelten. Wenn das so wäre, würde man den Sparpreis nicht mehr anbieten oder er würde genauso viel wie der Supersparpreis kosten.

Buchen kann so einfach sein. Und, nein, für die Deutsche Bahn gelten keine anderen Regeln.

Pleiten, Pech und BER

Am Wochenende wurde der große, tolle neue Flughafen in Berlin eröffnet – mit 9 Jahren Verzögerung und nach knapp 15 Jahren Bauzeit. Der Postillion hat schon lange die passende App zum Nachspielen im Angebot.

Bei der feierlichen Eröffnung waren zahlreiche Ehrengäste aus Wirtschaft und Politik geladen. Dummerweise verkündete Brandenburgs Regierungschef Woidke am Montag Corona-Positiv getestet worden zu sein. Nun müssen alle Ehrengäste, u.a. Verkehrsminister Andreas Scheuer und Lufthansa Vorstand Carsten Spohr in Quarantäne. Das hat sich gelohnt. (Wir hoffen, es sind alle wohlauf)

#DeutschlandDigital

Deutschland hat ein Datenproblem, immer noch

Man könnte meinen, Deutschland hätte es inzwischen geschafft, valide Daten zum Coronavirus zur Verfügung zu stellen. Das klappt auch an sehr vielen Stellen. Doch es kommen immer wieder Daten- und Testdatenübermittlungspannen ans Licht.

Mal sind die RKI-Fax(?)-Server ausgefallen oder die Daten verklumpt.

So entstand gestern ein neuer Hotspot, der nach eigener Zählung eigentlich gar nicht so weit vorne sein sollte:

Unterdessen werden hierzulande die Daten des DIVI-Registers kritisiert, in dem man die freien Intensivbetten auflistet. Ganz Deutschland schaut gebannt in diese Liste. Doch das Personal auf den Intensivstationen fehlt. Ein freies Intensivbett bedeutet also nur, dass ein freies Bett zur Verfügung steht. Pfleger? Fehlanzeige!

Doch so einfach ist es nicht: Die Pfleger warten ja nicht am Intensivbett bis ein Intensivpatient kommt, sondern versorgen währenddessen andere Patienten. Sicherlich müssen Pfleger bei einem Anstieg der Intensivpatienten abgezogen werden und sicherlich gibt es insgesamt zu wenig Pfleger für diese Notlage. Allerdings wäre es auch ganz schön dekadent, immer genug Personal für Notlagen bereit zu halten. Man könnte einfach einsehen, dass die Daten wenig Aussagekraft haben, da sie das Infektionsgeschehen von vor zwei Wochen abbilden. Es gibt eben Daten, die nicht in Balkendiagrammen darstellbar sind, sondern komplexen Zusammenhängen unterliegen.

Zu den Daten passt wenigstens die Stimmungslage in Deutschland:

Neues zur Corona-Warn-App

Wir befinden uns in einer kritischen Phase der Pandemiebekämpfung, in der die Downloadzahlen für die Corona-Warn-App wieder anziehen. Da ist es gut, wenn man die Corona-Warn-App wieder aus der Mottenkiste hervorkramt und ihr neue Funktionen spendiert. Seit dem letzten Update können Patienten ein Symptom-Tagebuch führen.

Doch es sollen auch bald neue Funktionen dazukommen:

  • Im November erfolgt ein Update, mit dem Nutzer jetzt regelmäßig dazu aufgefordert werden, ihre negativen Testergebnisse mit anderen anonym zu teilen (das machen übrigens nur 60% der Nutzer)
  • Außerdem wird der Abgleich der Kontakte ab dann mehrmals pro Tag durchgeführt
  • Im Dezember sollen Pandemiestatistiken und weitere Sprachen in die App integriert werden, was die Nutzungsrate steigern soll.
  • Anfang des nächsten Jahres will man die Kontakttagebuch-Funktion nachreichen, in der Nutzer notieren können, wann sie wen getroffen haben. Ab dann ist wohl auch die Historie der Risikokontakte über die App einsehbar.
  • Ab Frühjahr soll sich künftig über die App beim Restaurantbesuch/Konzertbesuch einchecken lassen. Das lästige Zettel ausfüllen entfällt dann, vielleicht. Ob man bald einen grünen Status nachweisen muss, um eintreten zu dürfen?

Allerdings hat die App ein Akzeptanzproblem. Trotz höchster Datenschutzvorkehrungen glauben viele Menschen in Deutschland immer noch nicht, dass sie durch die App nicht überwacht werden. Dass die App in Deutschland unter Android (<11) Zugriff auf Standortdienste braucht, ist ungeschickt. Es herrscht immer noch viel Verwirrung über die Funktionen der App. Trotzdem wird sich Deutschland mehr und mehr bewusst, dass sie vielleicht doch helfen kann.

Thalia bringt Einkaufen ohne Kasse

Der Buchhändler Thalia bringt als Platzhirsch in Deutschland das Selbstabkassieren mit dem Smartphone voran. Kunden können das Buch zum Kauf mit dem Smartphone abscannen und bezahlen, ohne nerviges Anstehen an der Kasse.


Was bringt der November?

Nun, wir sind wie unsere europäischen Nachbarländer alle im Lockdown angekommen. Was wird passieren? Wahrscheinlich nicht viel. Außer der US-Wahl natürlich. Die USA ist so gespalten wie nie. Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni hat eine Doku über seine eigene (bezüglich der Wahl zerrissene) Familie gedreht. 45 sehenswerte Minuten.

Warten wir gespannt die Wahlergebnisse ab. Die USA hat letzte Woche die Grenze von 100.000 Neuinfektionen an einem Tag geknackt…

Ich wünsche euch eine gute Woche! Bis bald!

Euer pedaa

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