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Nov 05

Ein Kommentar zum Bahnstreik und ein Ausblick auf das Unwort des Jahres

Liebe Leser,

lange hat es gedauert bis ich mich zurückmelde, und hier bin ich!

Wir leben doch in einer streikbestimmten Zeit. Erst die Lokführer, dann die Fluglotsen, dann die Lokführer und dann… die Lokführer. Das gemeine Volk hat inzwischen kein Verständnis mehr für die GDL, auch die Presse zerreißt sich inzwischen das Maul über den Rekordstreik von 91 Stunden, der übers Wochenende ansteht. Das Handelsblatt berichtet von 100 Millionen Euro Schaden für die Deutsche Wirtschaft, pro Tag, der durch die Streiks verursacht werden sollte. Und welchen Schaden nimmt die Bahn?

Die ganzen stornierten Fahrkarten, Erstattungen, geschalteten Hotlines, Nachtschichten usw. – die BAHN scheint ihr bestes zu tun, um mit dem Streik so gut wie möglich fertig zu werden. Manchmal könnte man meinen, sie hätte inzwischen Übung darin: Ersatzfahrpläne schreiben, saubere Informationspolitik und ausgedünnten Zugverkehr gewährleisten: Es funktioniert!

Die in Deutschland weit verbreitete Meinung, es würden keine Züge fahren, stimmt ja so nicht ganz. Circa ein Drittel der Verbindungen kommt Zustande und die sind – so war es zumindest während der letzten Streiks – überraschend pünktlich – denn die Gleise sind frei! Ein paar Orte mögen von der Außenwelt abgekoppelt sein, wer einen ICE-Bahnhof in seiner Nähe hat kann sich glücklich schätzen, denn die Wahrscheinlichkeit ist doch sehr groß, dass hier auch am – von der GDL provozierten – langen Wochenende ein Zug zum Halten kommt.

Und die Forderungen der GDL: Ein einziger Hick-Hack. Man hört immer nur 5% mehr Lohn und kürzere Wochenarbeitszeit. Wirklich verhandelt wird aber über ein anderes von der Politik gesteuertes Thema. Die

Tarifeinheit

ist in aller Munde. Die GDL will für die EVG – die größere Gewerkschaft – mit verhandeln. Was sagt eigentlich die EVG dazu? Die Bahn streubt sich dagegen, die Fronten scheinen verhärtet. Aber kann die Bahn das überhaupt zulassen? Auch das Angebot auf die Politik zu warten und eine Übergangslösung zu vereinbaren war für die GDL nicht akzeptabel. Was soll nun passieren, wenn die Politik da nicht zu potte kommt? Sind wir auf dem Weg zu einem unbefristeten Streik?

Irgendwie kommt es einem so vor, als würde sich die GDL gerade selbst abschaffen. Das Verständnis der Kunden der Bahn ist schon lange am Ende – diese steigen jetzt schon vermehrt auf zu billige Fernbusse um – natürlich nicht so billig, wenn gestreikt wird. Zu dieser Zeit machen die richtig Kasse. Man konnte gestern nach der Ankündigung förmlich zusehen, wie die Fahrpreis für Köln-Stuttgart von 22,- auf 39,50 in die Höhe schnellten. Und das obwohl diese ICE-Trasse fast gar nicht betroffen ist. Und wie sieht es mit dem Verständnis der Lokführer aus, haben die vielleicht auch bald keine Lust mehr auf

Ich bin so wütend, ich hab sogar ein Schild dabei

Bei aller Liebe, so langsam nervt das Streikthema. Es scheint dazu noch überhaupt nichts zu bringen. Streik hin, Streik her, keine Einigung in Sicht. Alle reden darüber, und nichts bringt es. Allseits beliebt und auf dem besten Weg zum Unwort des Jahres, das alle genervt hat: Tarifeinheit.

Wie wäre es eigentlich mal mit einem Streik im öffentlichen Dienst, verdi? Am besten gleichzeitig, dann kommt niemand mehr voran, auch in den Gesprächen nicht.

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