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Sep 08

IFA – Ein Bericht, Teil 1: Smart-TV

Liebe Leser,

auch ich habe mich am 06.09. auf die internationale Funkausstellung in Berlin gewagt, auf die ich mich bereits im Vorfeld in einem Newscrossing-Artikel bezog.

Die Trends dieses Jahr gingen bereits zwar durch alle Medien, seinen aber hier nochmal genannt und eingegrenzt auf das, worauf ich mich im Folgenden beziehen möchte:

  • SmartTV: Internet- und Netzwerkinhalte von heimischen PC’s per (W)LAN auf den Fernseher
  • 3D-TV: Verschiedene Techniken zur Realisierung von 3D-Inhalten auf dem heimischen Fernseher
  • Tablets und Smartphones: Verschwimmt bald der Unterschied?

Vorhut: Etwas zur Messe

Die IFA findet alljährlich auf dem Messegelände in Berlin statt und war diesmal, wie sich lesen lässt, schwer erfolgreich: Besucherrekorde wurden gebrochen, die Aussteller sind zufrieden und die Ausstellungsfläche des Messegeländes musste zusätzlich durch Zelte erweitert werden. Die Messehallen liegen sehr nah aneinander und sind über grob 2 Stockwerke verteilt. Im Vergleich zur CeBIT spart man als Besucher somit ein wenig Fußweg zwischen den Hallen :). Will man durch alle Hallen durch, muss man mindestens zwei Tage von 10.00-18.00 Uhr durchhalten, ist man nur an einem Bereich, z.B. Home Entertainment interessiert, reicht im großen und ganzen ein Tag – es kommt eben immer darauf an, ob und wie lange man mit den einzelnen Herstellern ins Gespräch kommt. Die großen „Global-Player“ im Elektronikbereich (Samsung, Sony, LG) buchten dieses Jahr ganze Hallen für sich und ihre Besucher und stellten eine beträchtliche Anzahl an Produkten zum Ausprobieren bereit.

Trend 1: Smart-TV

In Sachen SmartTV zeigte sich ein stark durchwachsenes Angebot. Man konnte ein paar gute Ansätze erkennen, Internetinhalte auf den Fernseher zu bringen, die mehr oder weniger gut durchdacht und umgesetzt waren. Meist werden in den einzelnen TV-Geräten die Inhalte mithilfe von Apps aus einem Markt des Herstellers bereitgestellt. Zu den Basis-Apps, die man prinzipiell in jedem Market findet gehören

  • Video-Apps zu den Videoportalen Youtube, Vimeo & Co
  • Fernsehzeitungs-Apps
  • Spiele (nicht getestet) – von Sudoku bis hin zu anspruchsvollen (je nach Hersteller, Angebot und Hardware)
  • Wetter-Apps (Accuweather, Wetter.com…)

Alle getesteten TV-Geräte können per W-LAN / LAN auf diese Markets zugreifen und verfügbare Apps herunterladen. Eine Besonderheit stellt in diesem Zusammenhang die „Browser-App“ dar: Obwohl sie eventuell ein Sicherhheitsrisiko birgt versuchen einige Hersteller diese Funktion eines Browsers auf den Fernseher zu bringen, was durchweg sinnvoll ist. Man bemerkt jedoch dass diese Technik noch in den Kinderschuhen steckt: Die Bedienkonzepte der Browserkonzepte mit der heimischen Fernbedienung sind mit wenigen Ausmahmen sehr schlecht und nicht innovativ, das Aufrufen von Seiten über den Ziffernblock, auf dem Buchstaben stehen, erinnert noch stark an das lahme SMS-Schreiben von früher. Hier gibt es aber auch interessante gute Ansätze für Bedienkonzepte, um die Eingabe von Text zu ermöglichen:

  • LG setzt ganz auf eine Technik a la NintendoWii: durch einen bereitgestellten Kontroller, d.h. die mitgelieferte Fernbedienung lässt sich eine Art Mauszeiger auf dem Fernseher steuern, indem man sie im Raum mit der Hand bewegt. Durch Infrarotkameras in der Fernbedienung werden (wahrscheinlich) dabei die Bewegungen der FB auf den Fernseher übertragen. Der Aufruf von pe-home.de auf dem Fernseher war damit zwar gewöhnungsbedürftig, ging aber immerhin schneller als durch das Tippen der einzelnen Ziffern (8 für p, 33 für e usw.)
  • Philips setze auf eine App für Android und iOs, die die Fernbedienung auf dem heimischen Tablet oder Smartphone ermöglichte: Leider funktioniert die Android-App nur sehr schlecht, was auch am abgegriffenen HTC-Flyer lag, das teils gar nicht mehr reagierte. Das besondere ist hier die Texteingabe, denn diese geht mit dem Tablet viel schneller (Tastatur wird einfach eingeblendet). Leider ließ das Interface auf dem Fernseher selbst noch zu wünschen übrig. Sie orientierte sich noch zu stark an der Bedienung mit den Pfeiltasten der Fernbedienung. Insgesamt überzeugte der Ansatz, die Software weniger…
  • TLC stellte ein Bedienkonzept komplett ohne Handschuhe oder ein Mobilteil vor. Per „Grab the Control“ ließ sich per Handbewegung die Bedienung des heimischen Fernsehers übernehmen und danach mit Wischgesten / Handgesten steuern. Über interaktive an das Bedienkonzept angepasste Menüs ließ sich per Handbewegung durch die Menüs scrollen, Filme auswählen und vorspulen. Internetfunktionalitäten bot das Gerät zwar nicht, es ging hier mehr über das Bedienkonzept. Sieht so die Zukunft aus?
  • Thomson direkt neben TLC präsentierte einen Fernseher mit eingebautem Browser mit Flash-Unterstützung, den man per an den Fernseher angeschlossener Maus und Tastatur bedienen konnte. Wenig innovativ, aber solide.
  • Für mich am überzeugendsten war der Ansatz von Sony: Mit dem neuen Tablet, das erst in 4 Tagen (Mitte Sep 11) im Handel erscheint, von Sony lässt sich per Infrarot Schnittstelle jedes Gerät im Heimkino (weitestgehend Herstellerunabhängig) ansteuern und bedienen. Über das Tablet berichten an anderer Stelle. Die von Sony genannte „Bravia Internet Video“ Smart-TV-Plattform mit ihren zahlreichen Apps lässt sich derzeit auch per App auf dem Smartphone fernsteuern. Als Funktion ist demnächst vorgesehen, die beiden Bedienkonzepte zu einer zu vereinigen. Dann lässt sich mit dem Sony Tablet das gesamte Heimkino per Infrarot steuern und die Apps sowie den mitgelieferten Browser per Tablet-Tastatur bedienen. Im Zusammenhang mit der Fernbedienungsapp fürs Smartphone stellte Sony den ersten „Google TV“ mit Chrome-Browser vor. Eine Zusammenlegung der Infrarottechnologie des Tablets zusammen mit der Fernsteuerungsapp würde insgesamt sehr überzeugen und ist nur noch eine Frage der Zeit.
  • Samsung überzeugt ähnlich wie Sony mit einer ausgereiften App-Steuerung per Smartphone oder Tablet. Der SmartHub wirkte aufgeräumt, die Eingabe von Text erfolgte über die Smartphone-Tastatur, nur die Steuerung des Browsers war nur sehr schlecht. Durch die Links konnte man nur per Pfeiltasten gehen, der Browser ließ sich nur schlecht während des (lahmen) Ladevorgangs von Seiten bedienen, weil er den Fokus auf einen Link immer wieder zurücksetzte.
  • Die restlichen auf der IFA vorgestellten Smart-TVs fielen durch mehr schlecht als rechte organisierte SmartTV-Portale auf:
    • Grundig ermöglichte lediglich das Streamen von Inhalten und den Zugriff auf o. g. gängige Apps (nichts besonderes!)
    • Toshiba fiel bei uns direkt durch, weil DLNA nicht unterstützt wurde. Stattdessen konnte man nur auf die Inhalte zugreifen, die man mit seinem Toshiba-Account gekauft hatte und die dort hinterlegt waren. Dass man bereits Inhalte zu Hause hat, die man anschauen möchte, daran hat bei TOSHIBA anscheinend niemand gedacht! Der Zugriff auf o.g. gängige Apps funktionierte wie gewohnt.
    • Panasonic organisierte schon den Stand sehr umständlich und schaltet nur an gewissen Fernsehern gewisse Apps frei. So gab es einen Spiele-Fernseher, einen Video-Fernseher und einen Bilder-Fernseher. Browser war keiner mitgeliefert, Zugriff auf o.g. Apps möglich.

Insgesamt sollte man noch festhalten, dass über die Apps die Qualität der Videos bei Youtube nicht umgestellt werden konnte (bei allen Geräten!).

Kurzes Fazit:

SmartTV ist eine nette Idee und wird sich auf Kurz oder lang sicher durchsetzen. Was Bedienkonzepte angeht sind ein paar nette Ansätze vorhanden, die einen mehr, die anderen weniger weit. Erst die Zusammenführung und Vereinheitlichung von SmartTV wird wohl den Durchbruch bringen. Wer die Funktionen jetzt schon nutzen will sollte sich zu einer Lösung mit Fernsteuerung per Smartphone (von Sony oder Samsung) entscheiden und hoffen, dass fehlende Funktionen noch nachgeliefert werden.

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